Blaue Moschee und Bosporus-Panorama, Istanbul, TürkeiBlaue Moschee und Bosporus-Panorama, Istanbul, Türkei
Markt & Management

Gütertransporte in der transkaspischen Region

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Der Mittlere Korridor: Route der unbegrenzten Möglichkeiten

Wer Gütertransfer aus dem fernen Osten in die europäische Union betreibt, kennt die transsibirische Route. Über den nördlichen Korridor der Neuen Seidenstraße gelangen Waren von China über Russland und Weissrussland nach Polen oder Finnland bis in die EU. Lange galt der Korridor als beste Möglichkeit, um Waren effizient von den Herstellern zum Zielort zu verschiffen. Mittlerweile gibt es eine alternative Route für den Gütertransport in die Europäische Union: den Mittleren Korridor. Wie kann dieser im Vergleich zur nördlichen Route punkten?

Seit 2013 werden Projekte, die infrastrukturelle und Handelsnetze auf dem Land- oder Seeweg zwischen China und mehr als 60 weiteren Ländern in Asien, Afrika und Europa aufbauen, als Neue Seidenstraße bezeichnet. Sie versuchen, die historische Seidenstraße neu aufleben zu lassen. Als eine solche Initiative versteht sich auch der Mittlere Korridor, dessen Bedeutung stetig wächst. Bislang erstreckte sich die transkaspische Route von China über Kasachstan bis Aserbaidschan. Dort schließt nun die Eisenbahnstrecke BTK (Baku-Tiflis-Kars) an, die eine neue Perspektive für den Handel zwischen dem fernen Osten und Europa bietet. Die Bahnstrecke verläuft von Aserbaidschan über Georgien und endet im türkischen Kars. Zwischen Kars und Istanbul bestehen gut ausgebaute Bahntrassen, über die Waren aus Fernost in die türkische Großstadt transportiert und von dort aus weiter nach Europa und insbesondere Deutschland verteilt werden. Im Mai 2022 startete der erste Container-Zug von China nach Europa über diese Verbindung.

Vorteile der Transkaspischen Handelsroute

Die Transportinitiative Mittlerer Korridor unterscheidet sich von anderen Organisationsformen wie der Belt and Road Initiative (BRI). Die BRI wurde bereits 2013 von dem chinesischen Staatschef Xi Jinping als globale Strategie zur Entwicklung der Infrastruktur ins Leben gerufen. Auch sie versucht, die Seidenstraße wiederzubeleben. Insgesamt sind bislang 149 Länder in die Initiative mit einbezogen worden. Der Mittlere Korridor eröffnet jedoch vielfältigere Möglichkeiten, um wirtschaftlich vom Handel zwischen China und Europa zu profitieren. Speziell eingerichtete Logistikzentren und Freihandelszonen in den Häfen von Turkmenistan, Kasachstan und Aserbaidschan tragen beispielsweise dazu bei, dass die transkaspische Zusammenarbeit sich weiterentwickelt und vertieft.

Panoramablick auf das Republik-Denkmal am Taksim-Platz in Istanbul

Im Vergleich zum Nördlichen Korridor ist der Mittlere Korridor in der Theorie wirtschaftlicher und schneller. Die transkaspische Handelsroute zwischen Europa und Asien ist 2.000 Kilometer kürzer und verfügt über günstigere klimatische Bedingungen für den Transport der Waren. Zudem profitieren Unternehmen, die den Mittleren Korridor nutzen, von dem geostrategischen Vorteil, dass die Route nicht durch Russland führt. Die Transkaspische Route stellt damit eine effiziente Alternative zur Transsibirischen Strecke dar.

Die Türkei – Brücke zwischen Europa und Asien

Moschee und Bosporus-Brücke in Istan

Die Türkei nimmt auf der Route des Mittleren Korridors einen zentralen Platz ein. Logistikunternehmen profitieren besonders von den strukturellen Hafenverbindungen in der Türkei, durch die sie den Nahen Osten, Nordafrika und den Mittelmeerraum problemlos erreichen. Derzeit passieren jährlich 96 Prozent von rund zehn Millionen Containern, die von China nach Europa transportiert werden, auf dem Seeweg die Türkei. Hauptsächlich handelt es sich bei der Ware um Ersatzteile und Kleidungsstücke. Die am häufigsten transportierten Güter sind nicht-radioaktive Stückgüter ohne chemische Zusätze. Innerhalb der Türkei wird der Transport außerdem auf der Schiene abgewickelt, wodurch das Diebstahlrisiko äußerst gering ist. Logistikunternehmen können von einer stärkeren Präsenz in der Türkei daher nur profitieren.

Im Laufe der letzten Jahre hat das Land stets an Bedeutung gewonnen, sowohl wirtschaftlich als auch logistisch. Heutzutage gilt die Türkei als Zentrum für Innovation und Wachstum. Das Land, in dem 45 Prozent der Bevölkerung unter 30 Jahre alt ist, liegt strategisch günstig. Etwa 40 Prozent des Welthandels findet innerhalb eines Vier-Stunden-Direktflugradius um Istanbul in der Türkei statt. So lassen sich von Istanbul aus 1,3 Milliarden Menschen in der EU, dem Mittleren Osten und Nordafrika (MENA-Länder) sowie Zentralasien erreichen. Damit ist die Türkei prädestiniert für den zentralisierten Gütertransfer von Ost nach West. Der internationale sowie auch der inländische Transportmarkt für Pakete sind daher ein potenziell spannendes Thema für Unternehmen. Als Nadelöhr zwischen Ost und West bietet das Land einen starken Anreiz für Logistikunternehmen. Die strategische eurasische Brückenfunktion der Türkei treibt die Entwicklung des Landes bereits jetzt weiter voran.

Exportentwicklung der Türkei

Gerade der E-Commerce-Markt ist in der Türkei während der Corona-Pandemie deutlich angestiegen. Während der Sektor vor fünf Jahren noch weniger als vier Prozent des türkischen Bruttoinlandsproduktes ausgemacht hat, liegt der Wert mittlerweile bereits bei mehr als 14 Prozent. Für 2026 ist ein Wachstum auf 22 Prozent vorausgesagt. Im Laufe der Jahre haben insbesondere die Exporte der türkischen Ersatzteilindustrie zugenommen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Ersatzteilkomponenten. Auch Bekleidungsstücke sowie braune und weiße Waren werden häufig exportiert. Derzeit überführt die Türkei 50 Prozent ihrer gesamten Weißwaren nach Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien. Im Jahr 2021 verzeichneten türkische Möbelexporte einen Anstieg von 23,9 Prozent. Gleichzeitig übertrafen die Einnahmen die des Vorjahres 2020 um insgesamt vier Milliarden US-Dollar. Zudem gelten die Luft- und Raumfahrt sowie die Verteidigungsindustrie als aufstrebende Branchen, die ein hohes Exportpotenzial einbringen.

Luftbild Geschäfts- und Finanzviertel von Istanbul

Die wichtigsten Faktoren für den steigenden Warenexport sind Design, Qualität und wettbewerbsfähige Preise. Türkische Hersteller produzieren höchste Qualität, die im Einklang mit den Richtlinien der EU steht. Sie bemühen sich um Qualitätszertifizierungen wie ISO 9001, ISO 14001 und ISO 18001. Für den Export weißer Ware existiert außerdem das „Certified in Entity and Intangible Valuations“-Zertifikat (CEIV), das Auskunft darüber gibt, dass die Hersteller auf einem hohen Niveau produzieren.

Best Practice: als Unternehmen präsent in der Türkei

Rhenus Cargo Schiffstanker im Bosporus

Für Logistiker bietet die Türkei daher zahlreiche Wachstumspotenziale. Die Rhenus Gruppe ist im Land beispielsweise in den Bereichen Straßentransport, Hafenlogistik, Luft- und Seefracht sowie Projektlogistik vertreten. Diverse Standorte in wichtigen Städten wie Istanbul, Izmir, Bursa und Ankara stellen eine breite geografische Präsenz sicher. Das lohnt sich: In den letzten zwei Jahren ist die Wirtschaftskraft des Logistikdienstleisters vor Ort deutlich gestiegen. Beschäftigte er im Jahr 2020 noch vierzig Mitarbeiter*innen, die monatlich ungefähr 400 Sendungen abgewickelt haben, ist diese Zahl bis 2022 auf mehr als 190 Mitarbeiter*innen und mehr als viertausend abgewickelte Sendungen pro Monat angestiegen. Damit gehört das Unternehmen zu den fünfzehn größten Logistikunternehmen der Türkei.

„Verbraucher können alles, was sie benötigen, online in der Türkei einkaufen – schneller, effizienter und zu wettbewerbsfähigeren Preisen.“
Korcan Tugrul | Direktor bei Rhenus Intermodal Systems Türkei

Professionelles Handling durch Logistikdienstleister

Damit der Frachttransport über den Mittleren Korridor erfolgreich verläuft, ist ein zuverlässiger Logistikdienstleister von oberster Bedeutung. Ein gut ausgebautes, logistisches Netzwerk in den Ländern unterstützt den Dienstleister dabei zusätzlich. Genau dort setzen sogenannte Direct-to-Consumer (D2C)-Produkte an. Die Waren, produziert direkt in der Türkei oder anderen Ländern Asiens, werden vom Hersteller aus direkt zum europäischen Verbraucher geliefert. „Bei der Transportabwicklung können wir auf unsere umfangreiche Zollerfahrung, das professionelle Know-how und die internationalen Fracht- und Hauslieferungsfunktionen bauen. Die Verbraucher brauchen sich weder um den Lieferprozess noch eventuelle Schäden oder Lieferzeiten sorgen“, erklärt Korcan Tugrul, Direktor der Rhenus Intermodal Systems in der Türkei.

Stadtbild von Ankara aus der Vogelperspektive

Im D2C-Konzept inbegriffen ist ein Online-Buchungssystem für die Lieferung, mit der Kunden völlig transparent die Reise ihrer Möbel nachverfolgen können: Logistikdienstleister wie Rhenus holen die bestellten Waren bei den Herstellern ab und schlagen sie in unternehmenseigenen Hubs entlang des Mittleren Korridors um. Danach gelangen die Waren zu den Depots, von wo die Mitarbeiter die Bestellungen direkt zu den Kunden nach Hause liefern. Auf Wunsch werden die Produkte vor Ort installiert. Die Vorteile des D2C-Bestellmodells, das im kommenden Jahr offiziell anlaufen soll, liegen Korcan Tugrul zufolge auf der Hand: „So können die Verbraucher alles, was sie benötigen, online in der Türkei einkaufen – schneller, effizienter und zu wettbewerbsfähigeren Preisen.“

Sie wünschen weitere Informationen?

Erfahren Sie mehr über den Gütertransfer über den Mittleren Korridor und die Rolle des Produktionszentrums Türkei und auf der Rhenus Intermodal Seite.

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