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Logistik im Dialog

Open Source und die Open Logistics Foundation

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Gebündelte Energie für gemeinsame Lösungen

Die Zeit ist reif für eine Wende in der Logistik: weg von vielen kleinen Einzellösungen, die jedes Unternehmen für sich allein austüfteln muss, und hin zur Vereinfachung durch Kooperation. So lautet der Ansatz der 2021 gegründeten Open Logistics Foundation. In der neuen Podcast-Episode von Logistics People Talk sprechen Markus Sandbrink, Chief Information Officer der Rhenus Gruppe, und Andreas Nettsträter, CEO der Open Logistics Foundation, darüber, welche Vorteile diese Art der Problemlösung mit sich bringt und was es zu beachten gilt, damit der Austausch zwischen Wettbewerbern auch bedenkenfrei gelingen kann.

Hauptziel der Open Logistics Foundation ist es, die Probleme innerhalb der vielfältigen und fragmentierten Logistikbranche zu identifizieren, die Schnittstellen zwischen den vielen beteiligten Partnern herauszustellen und die Abläufe durch gemeinsam erarbeitete digitale Lösungsansätze effizienter und einfacher zu gestalten. Eine wichtige Rolle spielt dabei Open Source. Es handelt sich um Software, die oft kostenfrei veröffentlicht wird und deren Quellcode – wie der Name schon verrät – offen einsehbar und frei nutzbar ist. Dies ermöglicht es Nutzern, die Anwendungen weiterzuentwickeln und dadurch auf ihre Bedürfnisse zuzuschneiden. In der Open Logistics Foundation sollen solche Anwendungen auf Basis der gemeinsam ermittelten Ansprüche und Probleme entwickelt werden. Diese stehen allen Unternehmen zur Verfügung und können wiederum für die eigenen Prozesse angepasst werden. Hören Sie rein in die neue Podcast-Episode und erfahren Sie, welche konkreten Projekte die Open Logistics Foundation auf den Weg bringt und warum die Entscheidung für eine Zusammenarbeit mit der direkten Konkurrenz sich durchaus lohnen kann.

Podcast
25.01.2023

Logistics People Talk | Episode 15

Andreas Nettsträter und Markus Sandbrink sprechen über die Zusammenarbeit von Logistikunternehmern in der Open Logistics Foundation, um gemeinsam Lösungen für noch effizientere logistische Abläufe auf Basis von Open-Source-Software zu finden.

Transkript unserer Podcast-Episode

Gwen Dünner: Herzlich willkommen zu einer neuen Episode von Logistics People Talk, dem offiziellen Rhenus Podcast für alle, die überzeugt davon sind, dass man in Sachen Logistik nie auslernen kann. Wir sind Ihre Hosts:

00:00:14
Andrea Goretzki: Andrea Goretzki.

00:00:15
Gwen Dünner: Und Gwen Dünner.

00:00:19
Andrea Goretzki: Heute wollen wir uns gemeinsam mit unseren Gästen einmal der Frage stellen, wie Logistiker ihre Branche in Zukunft gemeinsam gestalten können, und dabei werfen wir einen Blick auf den IT-Bereich. Darauf wollen wir uns konzentrieren und darüber sprechen, welche Chancen und Risiken Open-Source-Lösungen in diesem Zusammenhang bieten. Wir haben uns dafür Verstärkung geholt und zwar sind bei uns Andreas Nettsträter, CEO der Open Logistics Foundation, und Markus Sandbrink, Head of Corporate IT der Rhenus Gruppe. Willkommen, ihr beiden.

00:00:51
Markus Sandbrink: Hallo.

00:00:52
Markus Sandbrink: Hallo. Vielen Dank für die Einladung.

00:00:54
Andrea Goretzki: Schön, dass ihr hier seid.

00:00:55
Gwen Dünner: Sehr schön, dass ihr hier seid. Statt euch jetzt viele Worte in den Mund zu legen: Was macht euch denn zu den Experten im Thema Open Source? Warum gerade ihr? Warum gerade jetzt? Andreas, legt doch einmal los.

00:01:06
Andreas Nettsträter: Ich glaube, der Punkt zu sagen: „Warum gerade jetzt?" – das ist ein guter Einstieg. Ich glaube, die Zeit ist jetzt reif, dass die Logistik so eine Wende hinlegt von „Wir machen alle Dinge alleine, wir differenzieren uns über unsere Software" hin zu „Vielleicht ist eine Zusammenarbeit doch eine gute Idee". Und ich glaube, das ist gerade eine grundsätzliche Trendwende in der gesamten Branche: dass immer mehr Erkenntnis davon kommt oder einsetzt, wo man sagt: „Okay, lass uns Dinge zusammen machen."

00:01:34
Andreas Nettsträter: Ich glaube, Open Source und das wäre so die Überleitung, bei Open Source ist einfach auch das Schöne, es geht bei Open Source nicht nur darum, Dinge zu veröffentlichen, sondern auch darum, eine Möglichkeit zu finden, wie können wir Dinge zusammen machen? Wie finden wir Wege, tatsächlich auch gemeinsam zum Ziel zu kommen und auch gemeinsam in dem Sinne von „Jeder kann sich dran beteiligen und jeder kann die Ergebnisse am Ende nutzen" und ich glaube, diese Kombination aus Open Source bietet es, die Zeit ist in der Logistik irgendwie reif dafür. Das ist eigentlich der Grund, warum wir heute hier sitzen und einmal über die Open Logistics Foundation berichten wollen.

00:02:07
Gwen Dünner: Sehr schön. Markus, du bist, haben wir ja schon gesagt, Head of Corporate IT. Welche Berührungspunkte hast du mit dem Thema?

00:02:14
Markus Sandbrink: Ja, über das „Warum" werden wir gleich bestimmt noch länger sprechen. Warum ich? Wir haben uns dann eben bei Rhenus darüber unterhalten, wie wir die und ob wir die Gründung der Open Logistics Foundation unterstützen, und da ist der Bezug zur IT natürlich sehr naheliegend und wir waren uns auch klar, dass das ein Stück weit persönliches Engagement bedarf, und deswegen habe ich mich dann bereit erklärt, die Open Logistics Foundation im Vorstand des Vereins zu unterstützen.

00:02:37
Andrea Goretzki: Jetzt ist ja mit der Gründung der Open Logistics Foundation eine engere Zusammenarbeit gestartet worden, durchaus auch konkurrierender Logistikunternehmen. Wie kam es zu dieser Initiative und was ist das Ziel? Andreas, vielleicht magst du als CEO einmal starten.

00:02:54
Andreas Nettsträter: Genau. Das Ziel hatte ich gerade eigentlich schon ganz kurz gesagt. Es geht darum, gemeinsam zu Ergebnissen zu kommen, gemeinsam die aktuellen Probleme der Logistik zu lösen, und das fängt, glaube ich, bei ganz kleinen Problemen an. Da kommen wir später bestimmt noch einmal zu. ECMR, elektronische Transportdokumente, das sind so ganz konkrete Sachen, wo wir gemeinsam was machen können. Das geht aber weit darüber hinaus. Wenn wir nämlich über Nachhaltigkeitsthemen nachdenken.

00:03:19
Andreas Nettsträter: Wie können wir am Ende auch die vorhandene Infrastruktur, die vorhandenen Sachen, die wir haben, besser ausnutzen, und ich glaube, das sind Sachen, die können wir ernsthaft nur gemeinsam angehen und warum wir jetzt dafür extra die Open Logistics Foundation gegründet haben, hat eigentlich damit zu tun, dass wir gesehen haben, es fehlte bei vielen Initiativen in der Vergangenheit so eine Art neutraler Ort. Wo kann denn diese gemeinsame Entwicklung stattfinden und wer bietet einem eigentlich die Möglichkeit, sicherzustellen, dass es neutral abläuft, dass es fair abläuft, dass jeder mitmachen kann, dass nicht am Ende einer der Beteiligten aus der Reihe tanzt und sagt: "Ich mache das jetzt doch wieder anders und alle haben Pech gehabt."

00:03:54
Andreas Nettsträter: Am Ende ist es, glaube ich, auch schön, wenn es ein gemeinsames Dach gibt, das nicht von einem der großen Logistikunternehmen oder von einem der kleinen Logistikunternehmen dominiert wird, sondern wenn man wirklich sagen kann: „Das ist eine gemeinsame Aktivität", und ich glaube, da will die Open Logistics Foundation das Dach für bieten, so ein bisschen auch das Aushängeschild für sein, dass wir sagen können, gemeinsame Aktivitäten, die absolut neutral erfolgen sollen, die brauchen auch ein absolut neutrales Zuhause und das ist eigentlich die Open Logistics Foundation. Das wurde auch von unseren Gründungsmitgliedern, Rhenus ist dankenswerterweise eines unserer vier Stiftungsgründer, neben DACHSER, der Schenker AG und dem Duisburger Hafen, gab es genau diese Erkenntnis, dass sie gesagt haben: „Wir wollen gerne etwas zusammen machen, aber unter einem neutralen Dach, was nicht einem von uns zugeordnet werden kann, sondern was tatsächlich für uns alle steht.“

00:04:47
Gwen Dünner: Markus, vielleicht kannst du noch einmal so ein bisschen interne Sicht da reinbringen und sagen, was waren denn so die Beweggründe von Rhenus zu sagen: „Okay, wir engagieren uns da auch als Gründungsmitglied."

00:04:59
Markus Sandbrink: Ja, auch wir haben da intensiv drüber diskutiert. Sollen wir da mitmachen, mit Wettbewerbern uns zusammentun, zusammenzuarbeiten? Wir haben selbst viel zu tun, aber wir sehen letztendlich sehr viel Positives darin. Wir erhoffen uns, durch die Zusammenarbeit in der OLF die Reduktion von Komplexität und die einfachere Zusammenarbeit der Marktteilnehmer zu erreichen. Der Logistikmarkt ist ja sehr vielfältig und sehr fragmentiert. Als Logistikdienstleister wie Rhenus arbeitet man da fast zwangsläufig mit ganz vielen Partnern zusammen, mit Airlines, mit Reedereien, mit Speditionen, mit Behörden, mit Kunden, mit anderen IT-Plattformen und mit all diesen Partnern muss man ja heutzutage Daten und Dokumente austauschen, um diese Schnittstellen zu digitalisieren, zu vereinfachen und effizienter zu gestalten, das ist ganz wichtig und das kann man viel, viel besser schaffen, wenn man da zusammenarbeitet, gemeinsam Standards schafft und noch besser gemeinsame Lösungen an den Start bringt.

00:05:54
Gwen Dünner: Jetzt hast du gerade den Austausch von Daten angesprochen. Normalerweise ist es eigentlich so, dass man gerade was seine Daten anbelangt, schon genau draufschaut, wo gibt man die hin, was veröffentlicht man da oder welche Möglichkeiten gibt man auch der Konkurrenz, da irgendwie Einblick zu erhalten. Was ist der Vorteil für die Logistikunternehmen, zu sagen, okay, wir machen das trotzdem und geben da doch das eine oder andere preis, um zu unseren Zielen zu kommen?

00:06:22
Andreas Nettsträter: Da gibt es wahrscheinlich zwei Faktoren. Zum einen ist es schon sehr, sehr wichtig, dass alle Unternehmen, die da teilnehmen, sich sicher sein können, dass diese Daten geschützt sind, dass sie eben nicht jeder Wettbewerber einsehen kann. Das ist ganz klar. Ich tausche die Daten mit meinem Geschäftspartner, mit dem ich die sowieso austauschen muss, über eine gemeinsame Plattform. Aber da greift der Datenschutz, da ist Vertraulichkeit ganz, ganz wichtig, dass nur ich die Daten sehen kann und nicht irgendjemand anders sieht. Was macht denn die Rhenus da? Mit wem verhandelt die denn so und mit wem fährt die und welche Strecken? Das ist ganz wichtig. Es gibt natürlich dann aber darüber hinaus Anwendungsfälle, wo man diese Daten anonymisieren kann und dann schon auch gemeinschaftlich vielleicht Erkenntnisse gewinnt, die zur Nachhaltigkeit beitragen, die die Optimierung von Ladezuständen, von Hafenkapazitäten und so etwas ermöglichen.

00:07:08
Andreas Nettsträter: Das wäre ein Anwendungsfall, wo man sagen muss: Ja, da macht es Sinn, wenn viele zusammenarbeiten. Aber das ist schon ganz extrem wichtig, dass da Vertrauen herrscht, dass diese Daten eben anonymisiert sind und nicht für Wettbewerbszwecke oder sowas genutzt werden.

00:07:21
Gwen Dünner: Ja, wir haben das Wort jetzt schon drei-, viermal, zehnmal verwendet, Open Source, aber steigen wir doch einmal ein bisschen tiefer ein. Andreas, was ich mir so als „Laie" darunter vorstelle, sind so Programme, für die man nicht unbedingt bezahlen muss, wie der Firefox Browser oder Open Office, was ich als Redakteurin natürlich sehr oft nutze. Kommt das der Thematik jetzt schon nahe oder was genau verstehst du als Experte unter Open Source? Wo werden diese Lösungen eingesetzt?

00:07:48
Andreas Nettsträter: Das sind genau die Beispiele, die man, glaube ich, so aus dem privaten Umfeld kennt. Firefox von der Mozilla Foundation, Chrome von Google. Das sind ganz viele Bereiche, die ich so als Privatanwender kenne. Im geschäftlichen Bereich ist es auch sehr, sehr weit verbreitet. Ich vermute auch, dass bei Rhenus wahrscheinlich 80 Prozent Open Source ist, nämlich alles das, was auf den Servern läuft und irgendwie im Hintergrund funktioniert. Und das sind einfach so Programme, die sich über die Jahre entwickelt haben, wo sich immer eine Community gefunden hat, die gesagt hat: Okay, wir haben ein gemeinsames Problem oder wir wollen gemeinsam etwas lösen und beim Firefox ging es darum, einen Browser zu finden, als freie Alternative, die zum Beispiel auch anders mit bestimmten Daten umgeht oder einfach keine eindeutige Herstellerbindung hat.

00:08:32
Andreas Nettsträter: Das ist eigentlich auch genau diese Motivation, die bei uns auch dahintersteckt, zu sagen: Okay, wir haben hier eine Community von Leuten. Die haben alle ein gemeinsames oder mehrere gemeinsame Probleme identifiziert und suchen jetzt einen Weg, diese auch umzusetzen. Da gibt es natürlich verschiedene Wege und ich glaube, Open Source ist das, wo man am weitesten nach dem bisherigen Verständnis gehen kann. Ich kann mich natürlich auch nur zusammensetzen und diskutiere und komme zu einem einheitlichen Verständnis. Ich kann mich auch hinsetzen und sagen: Okay, ich dokumentiere das jetzt noch. Da bin ich sehr nah an einem Standard, an einer Standardisierung. Ich schreib einmal auf, wie wir das zusammen machen wollen und alle einigen sich darin und Open Source geht noch einen Schritt weiter und sagt: Das brauchen wir. Beides ist sinnvoll, aber jetzt setzen wir uns auch noch zusammen hin und implementieren es zusammen.

00:09:14
Andreas Nettsträter: Da können natürlich ganz unterschiedliche Dinge bei rauskommen. Entweder wirklich ein vollständiges Programm. Da sind wir wieder bei so einem Firefox Browser, eigenständig nutzbar, könnte jetzt jeder sich runterladen und benutzen. Ich glaube, dass das bei uns in vielen Fällen aber eher auf Bibliotheken, auf einzelne Komponenten runtergeht. Das heißt, ich habe ein bestimmtes Problem oder ich möchte in einem bestimmten Bereich zusammenarbeiten, dann entwickele ich eine Komponente. Wir hatten es gerade schon: ECMR, der digitale Frachtbrief. Da wird es keine fertige App für geben, sondern das wird eher eine Sammlung von Werkzeugen, von Tools sein, ein Baukasten, eine Bibliothek, wo ich einfach sagen kann: Okay, ich möchte einen digitalen Frachtbrief nutzen.

00:09:53
Andreas Nettsträter: Dann lade ich mir diese Bibliothek runter, also eigentlich so, wie es jeder Softwareentwickler heute auch macht, wo ich auch nicht mehr anfange und mir jede Kleinigkeit von Grund auf selbst ausdenke, sondern ich benutze bestehende Frameworks, ich benutze bestehende Bibliotheken, die sich einfach bewährt haben und tausendfach im Einsatz sind, und baue darauf dann auf. Ich glaube, das ist auch die weitergehende Motivation dann bei der Open Logistics Foundation zu sagen: Das Open Source ist die Basis. Wir wollen jetzt nicht bestehende Lösungen ablösen oder kommerzielle Anbieter oder so verdrängen, sondern wir wollen eine Basis schaffen. Auf der Basis können wir dann wieder marktdifferenzierende, individuelle Services anbieten und das werden wir nicht als Open Source machen.

00:10:31
Andreas Nettsträter: Das wird auch die Open Logistics Foundation nicht machen, sondern da sind dann wieder die einzelnen Unternehmen, wo Rhenus sagt: Okay, auf dieser guten gemeinsamen Basis bauen wir jetzt Services auf, die wir den Kunden anbieten können, wovon die Kunden einen Mehrwert haben. Und das ist dann auch weiterhin dieses Differenzierungsmerkmal. Das heißt, eine gemeinsame gute, feste Basis, die entwickeln wir gemeinsam und darauf aufbauend entstehen dann quasi individuelle Services, individuelle Dienstleistungen, Angebote über die einzelnen Unternehmen, wie es bisher heute eigentlich auch der Fall ist.

00:11:01
Andrea Goretzki: Markus, Andreas hat gerade zu Anfang seiner Antwort gesagt, dass schon ganz, ganz viel Open-Source-Lösungen in der Logistik eingesetzt werden, wahrscheinlich auch bei Rhenus. Ist das so und vielleicht noch einmal aus Sicht des Logistikdienstleisters, warum?

00:11:14
Markus Sandbrink: Ja, das ist tatsächlich so, dass wir auch in der Logistik Open-Source-Software einsetzen, auch bei der Rhenus. Das sind dann aber in der Regel eher die Komponenten in der Basissoftware wie zum Beispiel Linux oder Java oder Angula, kennen die Softwareentwickler Softwareentwicklungs-Frameworks, die man nutzen kann. Oft sind sich die Firmen vielleicht auch gar nicht so sehr bewusst, dass das Open Source ist, und die eigentlichen Kernanwendungen, die eigentlichen Logistikanwendungen, das ist sehr selten, dass da schon komplett auf Open Source gesetzt wird. Der Vorteil von Open Source ist wirklich, dass man prinzipiell herstellerunabhängig ist. Der Einsatz ist in der Regel frei von Lizenzkosten.

00:11:51
Markus Sandbrink: Man hat vor allen Dingen auch Zugriff auf den Source Code. Das schafft Transparenz und Vertrauen und man kann dann auch zur Not selbst den Source Code weiterentwickeln, wenn zum Beispiel andere es dann nicht mehr tun, was bei anderen Softwarepaketen manchmal schwierig ist, weil der Hersteller das Produkt abkündigt. Man muss sich über ein paar Nachteile dann eben auch im Klaren sein, was jetzt zum Beispiel den Support, Haftung und Gewährleistung angeht. Das sind eben auch die Nachteile oder zumindest die Faktoren, die man berücksichtigen muss bei Open-Source-Software. Die Zusammenarbeit in der Logistik ist aus mehreren Gründen sinnvoll. Der Fokus liegt vor allem darauf, dass man mit vereinten Kräften Probleme lösen möchte. Die muss sonst jeder nämlich alleine lösen.

00:12:31
Markus Sandbrink: Das sind Lösungen, vor allen Dingen, die wir nicht als wettbewerbsdifferenzierend ansehen. Das nennen wir auch Commodity-Lösung und da sparen gemeinsame Lösungen eben Aufwand, Zeit und Geld für jeden, der da mitmacht. Und zum anderen erreichen wir dann eben auch Standardisierung und eine größere Akzeptanz und Verbreitung der gemeinsamen Lösungen. Wir kennen das alle. Es gibt Beispiele, dass tolle Einzellösungen sich nicht durchsetzen, dass sie eher ein Randdasein mangels Verbreitung fristen und dann auch oft ganz vom Markt verschwinden.

00:13:04
Gwen Dünner: Wenn wir jetzt noch einmal einen Blick auf die Arbeit der Open Logistics Foundation werfen. Ihr habt da schon so ein paar Sachen in den Raum geworfen. Welche Anwendungen entwickelt ihr denn schon, die für die Logistiker als Open-Source-Lösung zur Verfügung stehen werden?

00:13:19
Andreas Nettsträter: Genau. Ich glaube, das größte und das bekannteste Projekt, an dem wir gerade arbeiten, ist tatsächlich der elektronische Frachtbrief, auch ECMR genannt. Das ist besonders deswegen interessant, weil Deutschland Anfang dieses Jahres dieser ECMR-Ratifizierung beigetreten ist. Das heißt, ab sofort darf man gesetzlich in nationalen Transporten auch nur digitale Dokumente benutzen. Das heißt, das ist ein Thema, was jetzt wirklich gerade sehr aktuell ist, und es ist auch einfach eines der elektronischen Transportdokumente, die vielfach eingesetzt werden. Das heißt, eigentlich bei allen Straßentransporten findet irgendwo ein ECMR Einsatz, durchaus einmal in unterschiedlichen Funktionen, und da wird auch noch einmal sehr schön klar, warum es sinnvoll ist, es gemeinsam zu machen, denn ich will diese Dokumente mit anderen tauschen.

00:14:07
Andreas Nettsträter: Ich bekomme sie vielleicht von wem anders und ich möchte sie am Ende auch dem Kunden übergeben. Das heißt, da eine eigene individuelle Lösung, die sich von anderen unterscheidet, zu entwickeln, ist überhaupt nicht zielführend. Wenn das passiert, dann werden wir wahrscheinlich die nächste Zeit auch noch bei Papierdokumenten bleiben. Deswegen ist das eigentlich ein sehr, sehr schönes Beispiel. Aber es zeigt auch über die rein digitalen Sachen hinausgehend, dass man dort noch viel Abstimmung braucht. Das merken wir jetzt gerade auch in der Arbeit. Wir haben quasi dazu eine Working Group gegründet, in der die Unternehmen zusammen diskutieren und auch Sachen ausprobieren und zusammen Sachen entwickeln.

00:14:38
Andreas Nettsträter: Dass es dort über dieses reine, ich nenne es einmal, technologische Problem – wie muss ich das jetzt umsetzen, wie gestalte ich das –, es vor allem auch um ganz viele organisatorische Probleme geht. Das heißt, wie stelle ich denn sicher, dass bei einer Übergabe auch beide Seiten dieses Dokument lesen können? Wie stelle ich sicher, dass beide Seiten sich irgendwie vertrauen? Wie stelle ich sicher, dass das zum Beispiel in bestimmten Fällen gerichtssicher ist? Dass ich einfach nicht wie heute, wo ich eine Unterschrift auf einem Blatt Papier habe, was grundsätzlich erst einmal sehr hoch angesehen wird vor Gericht. Wie kann ich eine ähnliche Vergleichbarkeit bei einem elektronischen Dokument schaffen, ohne dass ich da jetzt einen unglaublich komplizierten Aufwand für betreibe, der dann in der Praxis, in der Logistik irgendwie gar nicht umsetzbar ist und am Ende sowieso nicht genutzt wird.

00:15:20
Andreas Nettsträter: Das heißt, das ist tatsächlich so ein sehr spannendes Zusammenspiel zwischen ganz vielen organisatorischen Abstimmungen und Überlegungen und der technologischen Entwicklung. Das heißt, wir versuchen möglichst schnell in die Implementierung zu kommen, dass wir mit den Unternehmen zusammen die Lösungen tatsächlich auch pilotieren können, einsetzen können, damit wir wirklich die Rückmeldung kriegen. Ich glaube, wir können gar nicht schnell genug die Fahrer involvieren, die dann einfach eine ehrliche Rückmeldung geben und sagen: „Okay, das kann ich nutzen oder das funktioniert auf keinen Fall."

00:15:49
Andreas Nettsträter: Ich glaube, das ist auch eine der Stärken in der Zusammenarbeit, dass wir eben nicht nur aus einem Unternehmen die Rückmeldung kriegen, sondern aus verschiedenen Unternehmen die Rückmeldung kriegen und dadurch einfach die Chance erhöhen, dass es am Ende wirklich eine große Akzeptanz findet. Die Arbeiten laufen jetzt seit einigen Wochen. Das wird auch noch ein bisschen weitergehen. Aber wir merken einfach, dass da schon sehr konstruktiver Austausch entstanden ist in der Runde, die sich zum Beispiel jeden Freitag für eine Stunde trifft. Auch das zeigt die hohe Motivation der Unternehmen, die von sich aus gesagt haben: Ja, wir wollen es einmal in der Woche machen, damit wir einfach vorankommen, damit es einfach vorwärtsgeht.

00:16:26
Andreas Nettsträter: Da sitzen typischerweise Vertreter, häufig Logistiker, die den Prozess kennen in dieser Runde. Es werden jetzt auch mehr und mehr Softwareentwickler, die dann auch wissen, okay, wie sieht denn bei mir zu Hause das TMS aus? Was müsste ich denn machen, um eine Einbindung zu gestalten? Was ist denn eigentlich die beste Schnittstelle zu dem Fahrer? Packen wir das in unsere Fahrer-App? Machen wir da etwas eigenes für? Das heißt, diese Entscheidung, die können wir da relativ schnell treffen und können auch die Unternehmen für sich treffen, um dann wirklich in die Umsetzung zu kommen, und ich glaube, auch, das ist ein bisschen neu für die Logistik. Es ist allen klar, dass das, was wir jetzt gerade als Stand haben, niemals der finale Stand sein wird.

00:17:01
Andreas Nettsträter: Aber wir gehen gemeinsam diesen Weg und ich glaube, je weiter wir gemeinsam gehen, desto wahrscheinlicher wird es sein, dass wir dort eine Lösung finden, die dann nicht nur einer benutzt, sondern drei, vier, fünf und wir dann tatsächlich zu dieser Art De-facto-Standardisierung kommen, über die wir dann wirklich eine vernünftige Lösung hinbekommen. Um das noch zu ergänzen: Alles das, was wir dort entwickeln, wird auch tatsächlich frei und öffentlich zur Verfügung gestellt. Das heißt heute schon unter git.openlogisticsfoundation.org liegt unser Repository. Da kann ich eigentlich alles sehen. Da gibt es die Arbeitsgruppe zum ECMR, dadrunter liegt das ECMR-Projekt. Da gibt es schon erste Entwicklungen.

00:17:38
Andreas Nettsträter: Da wurde sehr, sehr viel vom Fraunhofer IML beigesteuert, die einfach da in die Vorleistung gegangen sind und gesagt haben, wir machen einmal so einen ersten Wurf. Und neben dem ECMR haben wir noch ganz konkrete Anwendungen, die auch häufig von einzelnen Partnern beigesteuert wurden. Da geht es um ganz konkrete Entwicklung. VDA 5050 ist zum Beispiel so eine Schnittstelle. Das kann man sich alles im Repository angucken. Die Rolle, die wir dabei haben, ist auch nicht nur, diese Plattform zur Verfügung zu stellen, sondern auch darauf zu achten, dass die Qualität entsprechend ist, dass nur getestete Sachen, nur vernünftig dokumentierte Sachen veröffentlicht werden. Denn zur Open Source gehört nicht nur, dass ich den Quellcode nach außen stelle, sondern da gehört auch alles dazu, dass ich anderen überhaupt ermögliche, diese Sachen aufzugreifen, diese Sachen zu nehmen und die Sachen zu nutzen.

00:18:24
Andreas Nettsträter: Da gehört das unbeliebte Thema der Entwickler-Dokumentation auf jeden Fall dazu. Das heißt, alle Lösungen, die bei uns sind, sind auch dokumentiert, sodass ich sie mir angucken kann und auch verstehe, wie ich dann quasi daraus meine eigene Lösung entwickle oder es einmal ausprobieren kann.

00:18:39
Gwen Dünner: Du hast gerade jetzt auch gesagt, es ist erst seit diesem Jahr erlaubt, sozusagen in Deutschland das komplett digital abzuwickeln. Das ist natürlich jetzt nicht nur in Deutschland, aber vor allem auch in Deutschland ein Thema mit ganz vielen Standards, Normen, kennen wir alles, DINs, ISOs. Es geht auch um die Rahmenbedingungen dann, die vielleicht auch aus europäischer Sicht oder aus deutscher Sicht gesetzt werden, dass ihr da dann vielleicht auch gemeinsam mit denen oder für diese etwas entwickelt beziehungsweise auf den Weg bringt?

00:19:09
Andreas Nettsträter: Ja, also wir stehen definitiv im Austausch auch mit den entsprechenden Behörden oder Standardisierungsgremien. Beim ECMR ist das ganz konkret die UN. Es ist ein UN/CEFACT-Standard. Mit dem stehen wir im guten Austausch und da gibt es auch ein großes Interesse, dass eben dort nicht Hunderte von Lösungen europäisch oder weltweit entstehen, sondern dass man sich schon in eine gewisse Richtung gemeinsam entwickelt. Gleichzeitig stehen wir natürlich auch im Austausch mit den nationalen Behörden, wo es dann auch um ganz konkrete Fragen geht.

00:19:41
Andreas Nettsträter: Wie kann denn zukünftig eine Lkw-Kontrolle ablaufen, wenn eben der Kontrolleur nicht mehr das Blatt Papier sieht und darauf schauen kann, sondern wie kann das digital passieren? Sodass auch nicht nur jetzt das gesetzlich erlaubt ist, sondern das es tatsächlich auch in der praktischen Straßenkontrolle irgendwie umgesetzt ist und nicht am Ende auch da wieder der Fahrer der Leidtragende ist, der dann eine Lösung hat, bei dem dann der Kontrollbeamte sagt: „Ja, tut mir leid, die kann ich leider nicht akzeptieren. Jetzt haben wir ein größeres Problem."

00:20:09
Andreas Nettsträter: Das heißt, das ist auch tatsächlich unsere Rolle, da so ein bisschen die Kommunikation zu kanalisieren und dafür zu sorgen, dass das, was wir entwickeln, auch konform ist zu den Rahmenbedingungen, die so über die nationalen oder die europäischen Gremien und Behörden kommen.

00:20:27
Gwen Dünner: Ja, danke dir, Andreas. Du hast jetzt ECMR als ein Beispiel genannt. Gibt es darüber hinaus noch weitere? Wo seid ihr sonst noch dran?

00:20:35
Markus Sandbrink: Wir sind da in einem Prozess, wo wir mit den Mitgliedern eben auch Ideen austauschen. Ein ganz schönes Beispiel finde ich persönlich ist diese Fahrer-App für Lkw-Fahrer. Die ist ein schönes Beispiel dafür, dass gemeinsame Lösungen sinnvoll sind, weil die oft mittelständischen und Kleinunternehmer es sehr schwierig finden, dass ihre Fahrer für fast jeden ihrer Auftraggeber eine andere App auf ihre Handys laden müssen. Eine gemeinsame Lösung würde da nämlich allen Seiten helfen. Das macht das Leben für die Fahrer einfacher und die Auftraggeber bekommen in der Regel bessere Datenqualität, weil die Fahrer die dann eben auch wirklich nutzen und besser bedienen können. Also schönes, einfaches Beispiel.

00:21:10
Andrea Goretzki: Ja, man hört, ihr seid schon mittendrin in der Arbeit. An dieser Arbeit sind ja ganz, ganz viele Parteien beteiligt. Da muss die Zusammenarbeit entsprechend übergeordnet gut orchestriert sein. Wie geht ihr innerhalb der Open Logistics Foundation vor? Wie wird aus einer Idee ein Projekt und wie steuert ihr die Prozesse, sodass alle Aspekte beachtet werden, bei denen die Mitgliedsunternehmen Handlungsbedarf sehen?

00:21:36
Andreas Nettsträter: Markus hat es gerade schon ein bisschen erwähnt. Wir haben so eine Art Ideenfindungsprozess, der auch quasi kontinuierlich läuft, wo wir entweder aktiv mit allen Mitgliedern zusammen überlegen, was gibt es eigentlich noch für Problemfälle. Ganz häufig ist da eine schöne Frage: Womit kann ich in der Logistik kein Geld verdienen, aber trotzdem ärgert es mich jeden Tag. Das ist ein guter Punkt, wo ich so in Open-Source-Lösungen komme. Da sind wir in diesem Commodity-Bereich, den Markus auch schon angesprochen hat, wo man sagen kann: Das sind Sachen, die differenzieren mich nicht, aber ich habe täglich damit zu tun. Das versuchen wir aktiv mit den Unternehmen zusammen zu identifizieren, was das für Probleme sein können. Markus hat schon die Fahrer-App erwähnt. Wir haben da auch so Themen.

00:22:15
Andreas Nettsträter: Track and Trace wird immer wieder genannt. Jetzt neu haben wir auch die Zollabfertigung, wo auch irgendwie eine gemeinsame Lösung gesucht wird, gerade seit dem Austritt von Großbritannien aus der Europäischen Union. Das sind so Sachen, die kommen immer wieder auf, und da haben wir zum einen diesen sehr durch uns getriebenen Prozess, wo wir wirklich die Unternehmen aktiv befragen und gemeinsam versuchen, sofort auch Verbündete zu finden, wer hat da noch Interesse dran? Zum anderen, das kam auch schon vor, ist es jedem Mitglied freigestellt zu sagen: „Ich habe eine gute Idee und ich würde einmal gerne ein Feedback kriegen. Was sagen denn die anderen dazu? Ist das bei euch auch ein Problem?"

00:22:48
Andreas Nettsträter: Und so versuchen wir quasi, Ideen zu sammeln und gleichzeitig die Unternehmen zusammenzubringen, weil es ja am Ende darum geht, dass wir gemeinschaftlich etwas machen. Das ist, was wir sehr methodisch und kontinuierlich die ganze Zeit vorantreiben.

00:23:01
Markus Sandbrink: Ja, Andreas hat gesagt, da gibt es einen strukturierten Prozess. Es müssen aber auch nicht immer alle Teilnehmer an allen Themen arbeiten. Es kann auch durchaus einmal sein, dass dann drei, vier Unternehmen sagen: Das ist doch ein Thema für uns. In der Nische sind wir unterwegs. Lass uns da die Köpfe zusammenstecken, dass die eben dann auch da eine Lösung für ihr Problem zusammen erarbeiten. Das macht das Ganze ja so schön, dass das Ganze sehr vielfältig ist, und wenn jeder dann etwas einbringt, dann nimmt man manchmal oder man gibt man manchmal und das ist eigentlich so der Sinn der Idee.

00:23:30
Gwen Dünner: Also ein skalierbarer Prozess?

00:23:32
Markus Sandbrink: Ja, skalierbar auch dadurch, dass viele mitmachen. Wenn ganz viele etwas einbringen, dann ist da auch die Chance groß, dass ich da auch von profitiere, weil da jemand ein Problem löst, das ich nämlich habe und sonst alleine lösen müsste.

00:23:42
Gwen Dünner: Stimmt. Wir haben heute jetzt schon viel Zukunftsträchtiges gehört. Vieles steckt in der Pipeline und ich denke einmal, uns ist jetzt auf jeden Fall klar, Open Source wird auch in der Zukunft eine wichtige, wenn nicht sogar noch wichtigere Rolle spielen. Wenn ihr jetzt in Richtung morgen, übermorgen, in die nächsten Jahre blickt, was seht ihr als die wichtigsten Themen für die Open Logistics Foundation? Was wird euer Kern sein?

00:24:05
Markus Sandbrink: Also zuerst einmal ist es uns jetzt wichtig, gute erste Projekte zu realisieren. Dass wir wirklich zeigen, ja, da kommt etwas Gutes bei raus, dass wir Vertrauen schaffen und das Momentum, das wir haben, auch nutzen und ausweiten. Dass da eine echte Bewegung draus wird, dass wir mehr Teilnehmer bekommen und somit die Verbreitung erhöhen und dann eben auch Standards wirklich etablieren können. Das ist das, wo wir hin wollen und wir sind jetzt bei 21 Mitgliedern, glaube ich, mittlerweile. Insofern: Es wächst und welche Themen da auf uns zukommen, das bleibt natürlich sehr spannend, weil das hängt sehr von den Mitgliedern ab und vielleicht, Andreas, wo glaubst du, geht die Reise hin?

00:24:40
Andreas Nettsträter: Ich sehe auch auf Basis der Mitglieder, die jetzt bei uns neu dazugekommen sind, und auch auf vielen Diskussionen und Anfragen, die wir so bekommen, wir werden definitiv neben ECMR, was nun ein sehr straßentransportlastiger Bereich ist, uns auch in andere Bereiche begeben. Luftfracht ist wahrscheinlich ein Thema, wo noch etwas passieren wird. Bahntransporte sind ein weiteres Thema. Gerade arbeiten wir auch daran, dass wir uns breiter aufstellen, dass diese Idee, die wir hier jetzt beispielhaft am ECMR dargestellt haben, dass die tatsächlich auch in die Breite geht und das funktioniert wie Markus schon genau gesagt hat, genau darüber.

00:25:18
Andreas Nettsträter: Wir bekommen neue Unternehmen, die sagen: „Ja, wir wollen auch gemeinsam was machen." Es ist eine gute Idee, gemeinsam etwas zu machen. Und die auch eigene Ideen oder eigene Themen haben und sagen: „Wir sehen, dass wir das alleine gar nicht schaffen können, und vielleicht wollen wir das auch gar nicht alleine angehen.", und ich glaube, dann ist die Open Logistics Foundation der richtige Ort, um zu sagen: Ich komm da hin, ich bin motiviert. Vielleicht habe ich sogar noch ein Thema, was ich alleine nicht lösen kann, und ich glaube, das wird so die nächsten Jahre prägen, neben natürlich, was Markus auch sagte, den ganz konkreten Arbeiten, dass wir jetzt Lösungen liefern müssen, Ergebnisse liefern müssen. Da sind wir auf einem guten Weg und das wird auf jeden Fall so unsere nächsten Monate und Jahre prägen.

00:25:56
Andrea Goretzki: Ja, das klingt auf jeden Fall so, als wenn da gerade unheimlich viel Bewegung drin ist und auch danach, dass die Logistikbranche sich auf jede Menge frische Ansätze und digitale Lösungen in der Zukunft freuen kann. Wir wünschen euch auf jeden Fall ganz, ganz viel Erfolg dabei und jede Menge engagierte Mitglieder. Und bevor wir nun zum Ende unserer heutigen Episode kommen, haben wir noch ein kleines Schmankerl für unsere Hörer geplant. Und zwar würden wir gerne von euch wissen: Wenn es mithilfe von Open Source, egal ob realistisch möglich oder nicht, gelingen könnte, ein Alltagsprobleme in eurem persönlichen Leben zu lösen, welches wäre das?

00:26:34
Markus Sandbrink: Puh, das ist echt eine schwere Frage, weil es gibt ja für fast alles eine App. Das muss man wirklich sagen und die kostet auch meistens nichts. Ob die dann wirklich Open Source ist, weiß man manchmal nicht. Aber das ist ja schon wirklich Wahnsinn, was es da alles gibt, was auch nichts kostet. Für mich geht es eher um das Grundsätzliche, muss ich sagen, weil ich würde mir durch Open Source mehr Unabhängigkeit von den großen Anbietern in der IT-Branche wünschen. Weil wenn man so für die IT verantwortlich in so einem großen Unternehmen ist, ist man viel mit Unternehmen in Diskussionen, in Verhandlungen. Wir sind sehr abhängig von den meist amerikanischen und asiatischen Anbietern und da würde man sich manchmal einfach Alternativen wünschen und gerade wir in Europa sind da doch recht abhängig und da ist Open Source sicherlich noch einmal eine Bewegung, die uns da gut tun wird.

00:27:20
Gwen Dünner: Nice.

00:27:22
Andreas Nettsträter: Das ist ein genau richtiger Ansatz, weil ich glaube, die Fragestellung für mich wäre ... Ich glaube, es gibt viele Sachen, die gelöst wurden im Alltag, aber auf eine bestimmte Art und Weise, die eben nicht diesem Open-Source-Gedanken entspricht. Und wir sehen das gerade bei aktuellen Diskussionen um Twitter, um einmal etwas ganz Aktuelles zu nennen, wo man natürlich sagen kann: Wie sinnvoll ist es, dass so eine tatsächlich kritische Infrastruktur, die von vielen Millionen oder Milliarden Menschen genutzt wird, irgendwie in der Hand von einem einzelnen Unternehmen ist, das einfach einmal sagen kann: Morgen ist Schluss, oder wir ändern jetzt einmal unsere grundsätzlichen Ansätze.

00:27:57
Andreas Nettsträter: Ich würde mir da persönlich wünschen, dass wir, genau wie Markus es so im geschäftlichen Bereich sagte, da sind wir auch sehr auf viele kommerzielle Lösungen angesetzt, dass man das auch so im gesellschaftlichen Bereich sich ein bisschen mehr überlegt: Wo machen gemeinsame Entwicklungen Sinn? Weil sie einfach die Gesellschaft nach vorne bringen, jeden Einzelnen privat irgendwie unterstützen und wo kann ich es mir eigentlich erlauben, weil es gar nicht so wichtig ist, dass einzelne Konzerne das so in der Hand halten. Ich glaube, das wäre so mein Wunsch ohne ganz konkrete App oder Umsetzung, aber ich glaube, da hat jeder auf seinem Smartphone genug Beispiele, wo man drüber nachdenken könnte, wo das irgendwie sinnvoll wäre.

00:28:39
Gwen Dünner: Ja, schön, dass ihr das so zusammengefasst habt, einmal das Geschäftliche und einmal das Private. Sehr schön. Ja, also wie gesagt, vielen Dank noch einmal von unserer Seite. Toll, dass ihr heute hier wart und dass sie uns dieses komplexe Thema einmal ein bisschen genauer erklärt habt. Vielen Dank noch einmal.

00:28:55
Markus Sandbrink: Ja, danke für die Einladung. Schön, dass wir bei euch sein konnten.

00:28:57
Andreas Nettsträter: Ja, sehr gerne.

00:29:01
Gwen Dünner: Und damit bedanken wir uns auch bei unseren Zuhörern und schließen wie immer mit dem Appell: Liken, kommentieren und teilen Sie die Episode gerne in Ihrem Netzwerk. Wie immer, Sie finden alle Folgen von Logistics People Talk überall dort, wo es Podcasts gibt. Bis zum nächsten Mal. Passen Sie auf sich auf. Es grüßen Ihre Hosts

00:29:18
Andrea Goretzki: Andrea Goretzki.

00:29:19
Gwen Dünner: Und Gwen Dünner.

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