Die Nutzung von Free Trading Zones (FTZs) bietet global operierenden Importeuren eine Vielzahl von Vorteilen. Wegen seiner direkten Anbindung an den Internationalen Flughafen und Seehafen ist der Standort Miami, Florida, als Warenumschlagplatz und FTZ für die Regionen Nord- und Südamerika weltweit besonders beliebt. Logistikkunden können hier nicht nur die Vorteile der Zollstundung oder -befreiung durch die Zulassung von Fracht in die FTZ nutzen, sondern auch die vielfältigen Möglichkeiten für Reexporte in die Region prüfen.

Zölle bzw. Ein- und Ausfuhrbeschränkungen sind ein guter Gradmesser für die Beziehungen von Staaten und Staatengemeinschaften untereinander. In ihrer Summe bilden sie ein Gleichgewicht, das sensibel auf Eingriffe reagiert, insbesondere dann, wenn Bestimmungen verschärft oder Zölle angehoben werden.

Außenhandelszonen: mehr Flexibilität für Import und Reexport

Ein wichtiges Regulativ bildet die Einrichtung sogenannter Außenhandelszonen (englisch FTZs = Free Trading Zones). Zwar lassen sich im Fall einer direkten Einfuhr bestimmter Rohstoffe, Produkte oder Produktkomponenten via FTZ keine Zölle reduzieren oder Zollbeschränkungen aufheben. Dies kann aber durchaus der Fall sein, wenn sie weiterverarbeitet oder durch weitere Komponenten ergänzt werden. Ebenso wichtig ist die Rolle, die FTZs beim Reexport von Waren spielen können. Hier können die Lagermöglichkeiten, die in Außenhandelszonen angeboten werden, dazu genutzt werden, Waren in weitere Staaten der Region zu transportieren, ohne die ansonsten anfallenden Importzölle zu entrichten.

 

Markteintritt und Ausbau des Amerika-Geschäfts

So wird die Metropole Miami in Florida von Exporteuren aus Europa oder Asien sowie Kunden aus dem US-amerikanischen Markt als Eintrittstor für die Distribution in den lateinamerikanischen Raum genutzt. Im April 2019 hatte die Rhenus Gruppe die Übernahme der Freight Logistics Group mit Sitz in Miami, Florida, bekannt gegeben. Nach der Übernahme der kanadischen Rodair-Gruppe zu Beginn des Jahres und des brasilianischen Verzollungsspezialisten Piramide Sea Air Comercio Exterior im Vorjahr war dies ein weiterer Meilenstein für die Erweiterung der Präsenz des Logistikkonzerns im gesamten amerikanischen Raum.

Neben seiner Hightech- und IT-Expertise bietet das Unternehmen einen weiteren erheblichen Vorteil – seine strategisch optimale Lage. Freight Logistics verfügt an seinem Hauptsitz in Miami über ein eigenes Konsolidierungszentrum mit direkter Verbindung zum internationalen Flug- und zum Schiffshafen. Darüber hinaus ist das Unternehmen als Luftfrachtspediteur (mit IATA-Akkreditierung), als Frachtführer ohne eigenen Schiffsbetrieb (NVOCC), als Zollfreilager und Frachtscreening-Unternehmen (CCSF) lizenziert bzw. akkreditiert.

Mit dem Bau eines knapp 16.000 Quadratmeter großen Lagerhauses trieb Rhenus Logistics die Erweiterung des Standorts planmäßig voran. Das „Class-A-Warehouse“ – vor allem für vertikale Lösungen für Unterhaltungselektronik, Hightech, High-Fashion und den Einzelhandel eingerichtet – wurde schließlich im März 2020 eröffnet. Parallel dazu bekam das neue Rhenus-Headquarter für die Region Nord- und Südamerika nach entsprechender Beantragung bei der U.S. Customs and Border Protection (CBP) den Status als Außenhandelszone (FTZ) bewilligt.

Zollfreie Territorien innerhalb der USA

Mit der Berechtigung zum Betrieb einer FTZ kann Rhenus für seine Kunden außerhalb der USA eine ganze Reihe von Vorteilen geltend machen. Die Ein- und Ausfuhr von Waren auf FTZ-Territorien ist generell zollfrei. Ähnlich wie im Fall von Zollverschlusslagern (Customs Bonded Warehouses), wie dem in Miami, haben Rhenus-Kunden mit hoher regionaler Präsenz fortan die Möglichkeit, ihre Ware näher zu ihren eigenen regionalen Kunden unterzubringen, ohne die normalerweise dafür anfallenden Zollgebühren entrichten zu müssen. Entsprechend profitieren sie von einer deutlichen Erhöhung der Liefergeschwindigkeit, etwa dann, wenn Ersatzteile dort gelagert und von dort aus schnell weitertransportiert werden können. Noch wichtiger ist der Aspekt der Kosteneinsparung, da das Geld des Kunden nicht durch Zollzahlungen gebunden ist.

Darüber hinaus haben Unternehmen die Möglichkeit, für einen unbegrenzten Zeitraum Waren auf US-Territorium zu lagern, zum Beispiel auch dann, wenn sie nicht den spezifischen Anforderungen der Partner-Regierungsbehörden wie etwa der Environmental Protection Agency (EPA), der Federal Communications Commission (FCC) oder der Food and Drug Administration (FDA) genügen.

Waren, die importiert, gelagert und später wieder aus den Vereinigten Staaten exportiert werden, unterliegen nicht der Zahlung von Zöllen und Steuern. Darüber hinaus kann die Fracht in einer FTZ ohne zeitliche Beschränkung gelagert werden, bis der Bestand aufgebraucht ist. Weiterer Vorzug einer FTZ: Anders als im Fall von Zolllagern kann die Ware dort ohne jeden zeitlichen Druck, mithin zeitlich unbegrenzt eingelagert werden.

„Inverted Tariffs“ – Möglichkeit zur Weiterverarbeitung der Ware

Neben der Möglichkeit zollgebührenfreier Reexporte bieten einige US-Außenhandelszonen sogenannte „inverted tariffs“ an. Diese können dann zur Geltung gebracht werden, wenn die Rohstoffe oder Produktkomponenten nach einer Weiterverarbeitung einer anderen Warenklasse zugeschlagen werden, für die dann niedrigere Zollgebühren anfallen. Weitere mögliche Vorteile liegen unter anderem in der Ausnutzung einer möglicherweise kosteneffizienteren Endmontage in den USA.

Für die globalen Exporteure läuft die finale Entscheidung für die Nutzung von Außenhandelszonen auf eine – in vielen Fällen lohnenswerte – Abwägung ihrer Kosten hinaus. Die Summe von Einfuhr-, Bearbeitungs- und Lagergebühren werden gegen die eingesparten Kosten gegengerechnet, die für die Begleichung von Zollgebühren und weitere damit verbundene Kosten anfallen. Dabei gibt häufig der Umfang der Fracht bzw. Lieferung den Ausschlag, denn: Selbst eine Reduzierung der Zollgebühren von nur wenigen Prozentpunkten kann sich bei großen Frachtmengen zu durchaus relevanten Kosteneinsparungen summieren. 

Weiterverarbeitungen in der Außenhandelszone können sich dabei nicht nur in Form von günstigeren Zolltarifen auswirken. Oft zahlen sie sich auch in der Einführung von Prozessschritten aus, die entsprechend einfacher oder günstiger vor Ort geleistet werden. Dazu gehören etwa Labeling-Prozesse, Um- oder Neuverpackung von Produkten oder auch Modifikationen zur Einrichtung US-normierter Anschlüsse oder Kabelverbindungen.

Hinzu kommen weitere Vorteile, die etwa im Vergleich zu „Customs Bonded Warehouses“ geltend gemacht werden können. Patricia Junco, Brokerage Manager bei Rhenus Customs Brokerage in Miami: „FTZ-Kunden profitieren von der wöchentlichen Einreichungszusammenfassung, die es Importeuren ermöglicht, ihre Fracht freizugeben und eine Einreichungszusammenfassung am Ende der Zonenwoche einzureichen. So können sie Zollabfertigungsgebühren und Warenbearbeitungsgebühren durch den Zoll sparen. Wir können auch den Verwaltungsaufwand der Importeure verringern, indem wir vierteljährlich die fälligen Gebühren für die Hafenwartung an den Zoll melden und die Zahlung veranlassen.“

Rhenus Free Trading Zone in Miami, USA

Die Vorteile in der Übersicht

Die Einrichtung einer Außenhandelszone im Rhenus-Headquarter in Miami, Florida, bietet Rhenus-Logistikpartnern eine Vielzahl von Möglichkeiten, ihr Exportgeschäft in den Regionen Nord- und Südamerika effizienter aufzustellen und darüber hinaus Kosten einzusparen. So können sie unter anderem:  

  • durch zollfreie Reexporte in Staaten außerhalb der USA ihre Distribution durch eine Zwischenlagerung in der FTZ Miami strategisch besser organisieren und beschleunigen
  • durch die zollfreie Lagerung im Rahmen der FTZ ihre Verteilung in die Regionen Nord- und Südamerika vereinfachen, zum Beispiel, indem sie ihre Waren (Ersatzteile) näher beim Kunden platzieren
  • ihre Waren unbegrenzt auf US-Territorium lagern, auch wenn diese nicht den Einfuhrbestimmungen der Partner-Regierungsbehörden für US-Importe genügen
  • ihre Gebührenabrechnungen im Zuge der Ein- und Ausfuhr bzw. Lagerung der Ware deutlich vereinfachen

Rhenus-Logistikpartner profitieren darüber hinaus von der besonderen IT- und Hightech-Kompetenz des Headquarters in Miami. Der direkte Zugang zum Rhenus Warehouse Management System verschafft ihnen einen raschen, vollständigen Überblick über den aktuellen Stand ihrer Lagerware sowie ihrer Ein- und Ausfuhrsituation.

Strikte Vorgaben für FTZs – Rhenus-Kunden sind dennoch im Vorteil

Durch den strikten gesetzlichen und verwaltungstechnischen Rahmen von FTZs in den USA bleiben für die Betreiber von Außenhandelszonen nur geringe Spielräume für die Erweiterung oder Optimierung ihres FTZ-Angebots. Dennoch können sich Wettbewerber in einigen wichtigen Aspekten von anderen Marktteilnehmern abheben. Claudius Schumacher, Warehousing & Distribution Branch Manager im Rhenus-Headquarter in Miami: „Als wir Freight Logistics 2019 übernommen haben, war Rhenus bereits in Brasilien präsent. Mit der Akquisition haben wir einen breiten und nachhaltigen Zugang zu den Regionen Nord- und Südamerika gewonnen. Darüber hinaus hatte sich Freight Logistics auch bei seinen Kunden einen ausgezeichneten Ruf erarbeitet, insbesondere bei Kunden des IT- und Hightech-Sektors. Mit der erfolgreichen Integration von Freight Logistics in unsere Rhenus-Americas-Organisation spüren wir nach wie vor die Vorteile, insbesondere beim Betrieb unserer Außenhandelszone.“

Für Schumacher spiegelt sich das Branchen-Know-how, das Rhenus in diesen Bereichen aufgebaut hat, in höherer Transparenz und in schnelleren Reaktionsgeschwindigkeiten wider. Dies zeigt sich in den verschiedenen Stadien entlang der Lieferkette, dem Wareneingang und -versand, aber auch in den einzelnen Verarbeitungsschritten, die innerhalb der FTZ abgewickelt und in ihren Abläufen verfolgt werden können. Schumacher: „Die Transparenz, mit der wir hier intern agieren, können wir dabei direkt an unsere Kunden weitergeben.“ So haben diese zum Beispiel die Möglichkeit, sich über ein eigenes Kundenportal direkten Zugang zum Warehouse Management System und damit neben den Volumen Einblick in den aktuellen Stand ihrer Lagerware verschaffen, egal, ob sie im Wareneingang eingehen, gelagert, kommissioniert und verpackt werden oder zum Versand bereitstehen. Das geht sogar so weit, dass sie mit Unterstützung unserer Software selbst entscheiden können, welche Ware sie in welcher Menge ausführen und vor allem wann sie diese verfrachten möchten: „Im Notfall“, wie Schumacher versichert, auch innerhalb weniger Stunden: „Mehr Flexibilität, denke ich, geht nicht!“

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Wir betreiben ein hochmodernes Class A-Warehouse als Außenhandelszone und Zolllager in Miami, Florida.


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