„Dit is Berlin“

Goldelse, Schwangere Auster, Langer Lulatsch oder Waschmaschine: Viele Sehenswürdigkeiten Berlins tragen kuriose Namen. Wer noch nie in der Stadt an der Spree war, hat die Qual der Wahl, um die Metropole zu erkunden. Doch auch Wiederholungstäter*innen kommen auf ihre Kosten. Denn Berlin erfindet sich ständig neu. Mittendrin: seine Stadtbewohner*innen. Eine Spezies, die es vor allem entspannt mag.

Skyline Berlin

London, Paris, Rom – während andere europäische Hauptstädte um Glamour und Extravaganz buhlen, zeichnet sich Berlin, Millionenmetropole an der Spree, in erster Linie durch eines aus: Lässigkeit. Berlin versucht erst gar nicht, mit anderen Großstädten zu konkurrieren, und hat gerade deshalb seinen ganz eigenen Charme. Das Lebensgefühl ist entspannt, bodenständig und unaufgeregt. Die Stadt weder reich, noch schön oder prunkvoll. Schon der Name, der so viel bedeutet wie „Stadt im Sumpf“, klingt wenig glanzvoll. Doch mit seiner unverwechselbaren Mischung aus Shabby-Look und Unvollkommenheit hat sich Berlin in den vergangenen Jahren zu einem Magneten für Touristen aus dem In- und Ausland entwickelt.

Betrachtet man die wechselvolle Geschichte der Stadt, ist dies alles andere als selbstverständlich. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Berlin in vier Sektoren aufgeteilt. 1948 riegelten sowjetische Truppen West-Berlin ab, nur über Luftbrücke der Amerikaner und Briten konnte die Stadt versorgt werden. Von 1961 bis 1989 teilte sie die Berliner Mauer. Umjubelt wurde die Rede von Präsident John F. Kennedy 1963 vor dem Schöneberger Rathaus, dessen unsterblicher Satz „Ich bin ein Berliner“ in die Geschichtsbücher einging. In den 60er- und 70er-Jahren war Berlin Hochburg von Studentenbewegung und Hausbesetzungen. Die Schattenseiten der Hauptstadt machte nicht zuletzt das Buch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ von Christiane F. öffentlich.

Nach dem Fall der Mauer verlagerten sich Clubkultur und Szeneleben in den Osten der Stadt, erst seit einigen Jahren erlebt der Westen mit dem BIKINI Berlin, Zoo-Palast und Cumberlandhaus eine Renaissance am Kudamm. Wer die Stadt erstmalig für sich entdeckt, kann eine ganze Liste berühmter Sehenswürdigkeiten ansteuern. Das geht zum Beispiel preiswert im Doppeldecker der Buslinie 100 der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), der viele markante Orte wie Bahnhof Zoo, Gedächtniskirche, Goldelse (Siegessäule), Schloss Bellevue, Schwangere Auster (Kongresshalle), Brandenburger Tor und Berliner Dom passiert und je nach Stauaufkommen, Zahl der Demos und Straßensperrungen nach kürzerer oder meist längerer Fahrt am Alexanderplatz eintrifft. Denn irgendwas ist eigentlich immer los im Stadtverkehr – in der S-Bahn fuhr vor einigen Jahren sogar ein Pony mit – kein Scherz.

Sehenswürdigkeiten für Erst- und Wiederholungstäter

Klassiker einer Berlin-Reise ist zweifelsohne die Besichtigung des Brandenburger Tors am Pariser Platz, das sich in illustrer Gesellschaft von Hotel Adlon, Akademie der Künste und französischer Botschaft befindet. Das 1793 auf Anweisung von Preußenkönig Friedrich Wilhelm II errichtete Triumphtor schließt den Boulevard Unter den Linden ab. Gekrönt wird das Tor von einer aus Kupferblech gefertigten Quadriga nach Entwurf des berühmten Bildhauers Johann Gottfried Schadow.

Unübersehbar ragt am „Alex“ das höchste Gebäude der Hauptstadt in den Himmel. Der in den 1960er-Jahren errichtete, 368 Meter hohe Fernsehturm prägt die Silhouette der Stadt. Der größte innerstädtische Platz ist Zentrum des alten Ostberlins, Verkehrsknotenpunkt, Treffpunkt und Shopping-Areal. Täglich queren über 300.000 Fußgänger den Platz. Mitten drauf ruht die Weltzeituhr. Wer die Aussicht von oben genießen will, kann dies von der Aussichtsetage des Fernsehturms, der Bar oder dem Restaurant.

Auch wer nur zu einem Kurzbesuch in Berlin weilt, sollte das Regierungsviertel erkunden. Am besten und schönsten geht das zu Wasser. Eine Vielzahl von Anbietern lockt bei jeder Wetterlage mit einer Spreefahrt durch Mitte. Vorbei geht es nicht nur an Berliner Dom, Nikolaiviertel und Haus der Kulturen der Welt, sondern auch das markante Bundeskanzleramt und natürlich der Reichstag liegen auf dem Weg. Wer rechtzeitig einen Termin bucht, kann übrigens kostenlos die Kuppel und Dachterrasse des Reichstags besuchen oder im Dachgartenrestaurant einkehren.

Sobald die ersten Sonnenstrahlen die Hauptstadt erwärmen, heißt es für viele Berliner*innen: nüscht wie raus nach Wannsee. Hier kommen Freizeitsportler*innen, Ausflügler*innen und Ruhesuchende gleichermaßen auf ihre Kosten. Damals wie heute äußerst beliebt ist das Strandbad Wannsee mit seinem markanten Gebäude im Stil der Neuen Sachlichkeit, der überdachten Promenade mit ihren Verkaufsluken für Pommes, Eis und vieles mehr sowie seinem mehr als einen Kilometer langen Sandstrand, der eigentlich aus Travemünde stammt. Erstmalig können Besucher*innen in diesem Jahr an Wochenenden hier auch Mittsommerabende verbringen und den Sonnenuntergang genießen.

Schon die Bauarbeiten des neuen Berliner Stadtschlosses wurden kontrovers diskutiert. Nach deren Abschluss erregt das Schloss mit seinem Humboldt Forum noch immer die Gemüter. Während die Fassade an drei Seiten originalgetreu wiederaufgebaut wurde, wurden Spree-Seite und Innenräume modern gestaltet. Dort können unterschiedliche Ausstellungen besucht werden. In jedem Fall einen Besuch wert ist die barrierefreie und kostenlos zugängliche Dachterrasse. In rund 30 Metern Höhe erwartet Sie ein spektakulärer Blick auf Berliner Museumsinsel, Brandenburger Tor und Berliner Dom.

Diese Weite! In einer Großstadt fühlt es sich manchmal beengt an, dann lohnt sich ein Besuch des Tempelhofer Felds. Wer seinen Blick schweifen lassen, auf ehemaligen Rollbahnen Inline-Skater fahren oder einfach nur Freunde treffen und picknicken will, für den ist das Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof ein Muss. Dafür, dass die Berliner*innen dieses Kleinod nach wie vor unverbaut genießen können, haben sie hart gekämpft. Im Volksentscheid zum Tempelhofer Feld 2014 entschied sich die Mehrheit der Berliner*innen gegen eine Bebauung. Sie möchten den ehemaligen Flughafen Tempelhof einmal von innen erleben? Kein Problem. Die rund zweistündigen Führungen werden sowohl auf Deutsch als auch Englisch angeboten.

Kunst- und Kulturinteressierte sollten ausreichend Zeit für einen Besuch der Museumsinsel, UNESCO-Weltkulturerbe, einplanen. Das Bode-Museum mit seinen Skulpturen, das Pergamonmuseum mit seinem gleichnamigen Altar genauso wie Alte Nationalgalerie und Neues Museum halten für jeden Kunstgeschmack ansehnliche Exponate bereit. Sehenswert ist auch die 2019 eröffnete James-Simon-Galerie, das nach Plänen des britischen Architekten David Chipperfield gebaute Empfangsgebäude der Insel.

Nach sechsjähriger Sanierung können Besucher*innen seit vergangenem Jahr in der von Architekturikone Ludwig Mies van der Rohe entworfenen Neuen Nationalgalerie wieder moderne Kunst genießen. Doch nicht nur Sammlung, Sonderausstellungen sowie der Skulpturengarten lohnen sich. Wer mehr über die architektonische Geschichte und Sanierung erfahren möchte, sollte eine deutsch- oder englischsprachige Führung buchen.

Mit einem wellenförmigen Feld aus 2.711 Betonstelen erinnert Berlin an die grausamsten Stunden deutscher Geschichte. Das 2005 eröffnete Holocaust-Denkmal nach dem Entwurf des New Yorker Architekten Peter Eisenman ist ein Ort des Erinnerns. Auf einer Fläche von rund 19.000 Quadratmetern wurde es im Herzen Berlins errichtet – nur wenige Meter vom Brandenburger Tor entfernt. Unterhalb des Stelenfelds befindet sich eine Gedenkstätte, die über die Verfolgung und Vernichtung der europäischen Juden informiert.

Was das Harrods für London und die Galeries Lafayette für Paris sind, ist das Kaufhaus des Westens, kurz KaDeWe, für Berlin. Kaum ein shoppingliebender Besucher lässt es sich nehmen, über den Ku‘damm zu schlendern und an dessen Ausläufer, dem Tauentzien, ins Traditionskaufhaus KaDeWe einzukehren. Designermode und Luxusmarken auf acht Etagen sowie liebevoll dekorierte Schaufenster prägen das Warenhaus mit gehobenem Sortiment. Besonders beliebt sind die Delikatessen in der Sechsten, der Feinschmeckeretage.

Ein Trabant, der die Berliner Mauer durchbricht, und der „Bruderkuss“ zwischen Leonid Breschnew und Erich Honecker gehören zu den bekanntesten Motiven der East Side Gallery, die mehr als 100 Kunstwerke ziert. Die Überreste des tristen Trennwalls wurden nach der Wende von verschiedenen Künstlern bemalt. Es entstand auf einer Länge von 1,3 Kilometern die längste Open-Air-Galerie der Welt.

Wannsee Strand

Berliner Luft schnuppern können Sie nicht nur motorisiert, sondern auch ganz entspannt zu Fuß, auf einem der zahlreichen neuen Pop-up-Radwege oder bei einer Fahrt mit der Fähre. Auf Letzterer gelangt man etwa zur Pfaueninsel im Südwesten der Stadt, von Wannsee nach Alt-Kladow oder auf der Dahme nach Grünau. Hier trifft man mit etwas Glück sogar noch „echte“ Berliner*innen oder solche, die sich so fühlen.

Ehemalige Abhörstation auf dem Teufelsberg

Denn: Zugezogene und Urberliner eint der Wunsch, die Stadt gechillt zu erleben. Besonders gut geht das im Treptower Park, an der ehemaligen Abhörstation auf dem Teufelsberg, dem neu gestalteten Park am Gleisdreieck, auf dem Tempelhofer Feld oder den zahlreichen Seen wie Müggel-, Lietzen-, Wann-, Schlachten- und Weißem See. Später dann, zu vorgerückter Stunde, zieht es die einen in die Clubs, die anderen ganz unprätentiös in eine der vielen Kneipen oder zum liebevoll mit dem Kosenamen „Späti“ bezeichneten Lädchen, der auch zu später oder früher Stunde eine schier unglaubliche Anzahl überlebenswichtiger fester und flüssiger Nahrung bereithält.

 

Guten Abend, Berlin

Es fällt leicht, ins Berliner Nachtleben einzutauchen und erst im Morgengrauen in die eigenen vier Wände zurückzukehren. Hier eine kleine Auswahl dessen, was man zu später Stunde in der Hauptstadt erleben kann.

Nationale und internationale Jazzmusiker beglücken die Hauptstadt regelmäßig mit ihren Live-Performances. Der Jazzkeller im Schlot lockt die Berliner Szene, im b-flat genießt der Besucher nebenher Cocktails, das Yorckschlösschen hat auch einen Biergarten zu bieten. Weitere beliebte Adressen für abendliche Jazzkonzerte: A-Trane, Quasimodo und Zig Zag.

Eine ordentliche Portion Berliner Schnauze gepaart mit viel Satire gefällig? Dann besuchen Sie unbedingt einmal die mit dem Kulturpreis Berliner Bär ausgezeichnete Theater-Sitcom „Gutes Wedding, Schlechtes Wedding“ des Prime Time Theaters. Das Komödientheater ist – natürlich – im Wedding zu finden. Wer eher traditionelles Kabarett mag, ist bei den Stachelschweinen, im Kabarett-Theater DISTEL und bei den Wühlmäusen gut aufgehoben. Die Lachmuskeln anspannen können Sie auch in der Komödie am Kurfürstendamm und dem Schlosspark Theater.

Die Berliner Clublandschaft verändert sich permanent. Partys im White Trash, Dschungel oder Bunker gehören zwar der Vergangenheit an. Dennoch bietet Berlin Tanzwütigen zahlreiche Locations unterschiedlichster musikalischer Stilrichtungen – vom legendären Berghain über Yaam und CASSIOPEIA, Kaffee Burger, Lido und Metropol bis hin zu Soda Club und Klunkerkranich.

Sie lieben moderne Shows, aufwendige Bühnenbilder und extravagante Kostüme? Dann ist ein Besuch im Friedrichstadtpalast genau das Richtige. Die größte Theaterbühne der Welt bietet Grand-Shows der Extraklasse. Für Liebhaber von Cabaret und Chanson ist die Bar jeder Vernunft der perfekte Ort, das Chamäleon Theater bietet Akrobatik und zeitgenössischen Zirkus. Die Scheinbar ist laut Eigenaussage das kleinste Varieté Deutschlands, das Wintergarten-Varieté knüpft unter künstlichem Sternenhimmel mit einem vielseitigen Unterhaltungsprogramm an das aufregende Nachtleben der 1920er-Jahre an.

Von den Brettern, die die Welt bedeuten, gibt es in der Hauptstadt Unzählige. Eines der Schönsten ist das Renaissance-Theater mit beeindruckenden Intarsien im Art-déco-Stil. Besonders beliebt sind die Inszenierungen mit Publikumsliebling Lars Eidinger in der Schaubühne. Das Berliner Ensemble wartet seit der Spielzeit 2019/20 mit zwei neuen Spielstätten auf – Dauerbrenner ist aber nach wie vor die 1928 uraufgeführte Dreigroschenoper. Das Maxim Gorki Theater ist das kleinste der Berliner Stadttheater und überzeugt mit Mut zum Experiment, für das auch die Volksbühne steht. Die Box im Deutschen Theater gibt jungen Produktionen eine Chance. Außergewöhnlich ist das Kreuzberger Garn-Theater, in dem Adolfo Assor in intimer Atmosphäre als Solokünstler auftritt.

Die Biergärten der Hauptstadt sind bei sommerlichen Temperaturen schnell gefüllt. Im Tiergarten erfreut sich der Schleusenkrug großer Beliebtheit. Nur wenige Schritte entfernt liegt das idyllische Café am Neuen See. Das BRLO Brwhouse am Gleisdreieckpark serviert Biere aus der hauseigenen Brauerei, im Kreuzberger Biergarten Golgatha geht Golgatha-Pils über den Tresen. Wer nach einer Tour durch das Regierungsviertel eine Verschnaufpause benötigt, kann gutbürgerlich im Zollpackhof speisen. Sein Comeback feierte jüngst das Zenner im Treptower Park – neben Bier- und Weingarten gibt es hier Kunst im Turmhaus zu sehen.

Berlins Kneipen- und Barkultur ist so vielfältig wie die Kieze, in denen die Kneipen zu finden sind. Jeder Berliner hat seine Lieblinge. Sie mögen Nostalgie und 1920er-Jahre-Flair? Dann besuchen Sie einmal das Sally Bowles in Schöneberg. Getränke für den schmalen Geldbeutel sind bei Trude Ruth und Goldammer in Neukölln zu haben – die Longdrinks gibt es jeweils in drei Preiskategorien. Urige Kiezkneipen sind auch Leuchtturm und Möve im Felsenkeller. Das Kallasch in Moabit wartet als Bar, Kino und Bühne auf. Das Mastul im Wedding ist eine zauberhafte Bar, in der Kleinkünstler*innen auftreten.

Mit Hertha BSC und dem 1. FC Union Berlin hat die Hauptstadt gleich zwei Profi-Fußballvereine, die in der Bundesliga mitspielen. Während Hertha im Olympiastadion Heimspiel feiert, ist der 1. FC Union in der Alten Försterei zu Hause. Doch die Hauptstadt kann nicht nur Fußball: Im Basketball spielen ALBA Berlin und im Eishockey die Eisbären Berlin im Spitzensport mit.

Neben kleineren Clubs zählt die Hauptstadt große Spielstätten wie Parkbühne Wuhlheide, Zitadelle Spandau, Admiralspalast und Mercedes-Benz Arena sowie das Olympiastadion. Beliebt ist auch die Open-Air-Location Waldbühne. 1965 von den Fans der Rolling Stones verwüstet, kam die Band 2022 für den Abschluss ihrer Tour noch einmal hierhin zurück – diesmal blieb alles ganz friedlich.

Trotz Hauptstadtfaktor sind die Preise für Speisen und Getränke im Vergleich zu anderen Großstädten wie Frankfurt, Hamburg und München noch immer günstig. Anfang der 2000er-Jahre pflegte Berlin sein Image, „arm aber sexy“ zu sein, – ein Selbstbild, das der ehemalige Regierende Klaus Wowereit prägte. Inzwischen jedoch hat sich die Bundeshauptstadt zu einem wichtigen deutschen Wirtschaftsmotor entwickelt. Der Zuzug von Fachkräften aus aller Welt, mehrere große Universitäten, Tourismus, Gastro- und Kreativszene sowie die Ansiedlung von Start-ups sorgen dafür, dass Berlin als eine der zukunftsstärksten Metropolen Europas gilt.

Skyline Berlin

Und auch die Entwicklungen im Brandenburger Umland – Teslas Gigafactory etwa ist Luftlinie nur rund drei Kilometer von der Grenze zum Stadtstaat entfernt –, die engen ökonomischen Verflechtungen mit dem benachbarten Bundesland, aber auch die Nähe zu Polen und Osteuropa bieten Berlin weitere Wachstumspotenziale als Ballungsraum und Logistikdrehscheibe. So wundert es nicht, dass neben mittelständischen auch global agierende Konzerne hier ihren Sitz haben und damit auch viele Logistikdienstleister beheimatet sind.

So, wie sich die Hauptstadt zeigt, isst sie auch: unkapriziös und ohne Chichi. Auch wenn Berlin durchaus Restaurants der gehobenen Kategorie beherbergt, gehören Imbiss-Klassiker wie Currywurst, Boulette und Döner nach wie vor zum Lieblingsessen der Hauptstädter. Und auch Vegetarier und Veganer kommen auf ihre Kosten.

An vier Monaten im Sommer, meist von Mitte Mai bis Mitte September, füllt sich der Rüdesheimer Platz ab dem Nachmittag mit gut gelaunten Anwohner*innen und Gästen, die ein Glas Wein und Speisen an frischer Luft genießen möchten. Der Weinbrunnen hat Tradition: Seit über 50 Jahren schenken Winzer aus dem Rheingau-Taunus über dem Siegfried-Brunnen ihre Weine und Sekte aus. Ihre Speisen bringen sich die Besucher*innen selbst mit. Geöffnet ist der Weinbrunnen in der Saison montags bis samstags, ab 22 Uhr herrscht Abendruhe.

Der Thaipark heißt eigentlich Preußenpark und ist Deutschlands größter Thai-Streetfood-Markt. Schon Mitte der 1990er-Jahre trafen sich hier Familien im Park, um zu picknicken. Nicht nur für Asien-Fans ein ganz besonderes kulinarisches Erlebnis. Besucher*innen können aus einem Angebot von über 60 Verkaufsständen Thaifood verkosten. Geöffnet ist der Open-Air-Markt von April bis Oktober freitags bis sonntags.

Zwar beanspruchen auch Hamburger die Erfindung der Currywurst für sich, doch zum Patent angemeldet hat sie Herta Heuwer aus Berlin, und das im Jahr 1949. Schon aus kulturellen Gründen sollte ein Besuch der Hauptstadt mit einer Currywurst an der Bude einhergehen. Welches die beste Currywurst der Hauptstadt ist, daran scheiden sich indes die Geister. Eine der bekanntesten Institutionen ist Curry 36 mit vier Standorten. Bier’s Kudamm 195 soll besonders viele Prominente anziehen, bei Konnopke's Imbiss speist der Gast zünftig unter der Hochbahn. Auf eine Frage sollten Sie bei Ihrer Bestellung jedoch stets gefasst sein: „Mit oder ohne Darm?“

Das in Berlin-Spandau hergestellte Florida Eis erfreut seit fast 100 Jahren die Gaumen großer und kleiner Hauptstädter*innen – nicht nur zur Sommerzeit. Dabei setzt der Eishersteller auf eine handwerkliche und ökologische, CO2-neutrale Produktion. Neben klassischen Eissorten zählen außergewöhnliche Kreationen wie Whiskey Cream, Schneewittchens Bratapfel, Marshmallow, Crème Holunder und Joghurt-Sanddorn zum Sortiment.

Schon Napoleons Soldaten schwärmten vom „Champagner des Nordens“, dem obergärigen Schankbier. Die Berliner Weiße ist ein Kultgetränk und mittlerweile sogar regionales Kulturerbe. Das Berliner Bier trinken Genießer*innen meist in den Varianten grün (Waldmeister) oder rot (Himbeere). Es gibt sie in vielen Biergärten und Lokalitäten, etwa im Loretta am Wannsee, auf den Tegeler Seeterrassen oder im Biergarten Luise.

Kaum zu glauben, aber der Döner Kebab soll in Berlin erfunden worden sein und trat von hieraus seinen Siegeszug durch den Rest des Landes an. Mittlerweile mindestens genauso beliebt ist seine vegetarische Variante, der Veggie-Kebab und Vöner. Beliebte fleischlose Sandwiches bieten Vöner und Mustafas Gemüse-Kebap, bei dem zu fast jeder Tageszeit mit einer meterlangen Schlange zu rechnen ist.

Der Berliner Hackfleischklops wird meist mit Senf sowie als Beilage mit Kartoffelsalat samt Essig und Öl verspeist. Die zünftige Mahlzeit ohne kulinarischen Schnickschnack steht nicht nur auf der Speisekarte von Restaurants, sondern wird auch in vielen Kneipen als Snack angeboten – so etwa einmal pro Woche in der urigen Friedenauer Kneipe Straßenbahn.

Nichts für Feingeister: Berliner Schnauze

Auf eines muss man sich in Berlin gefasst machen: markige Sprüche. Denn der Berliner trägt sein Herz auf der Zunge. So ist die berühmt-berüchtigte Berliner Schnauze ein Markenzeichen der Hauptstadt. „Dit is mir schnurz piepe!“ gehört noch zu den liebevollen Bekundungen von Ignoranz. In Berlin wird nicht um den heißen Brei geredet, sondern Tacheles. Liebevoll-ruppig, dabei aber immer ehrlich.

info_outline

Berliner verstehen

  • Allet in butta – alles ok
  • Atze – Bruder oder Freund
  • Abjang machen – weggehen, abhauen, tschüss
  • Det, dit – dies, das
  • Einfeif’n – essen
  • Ick wer dir wat husten – Ich denke gar nicht dran, nö
  • In de S-Bahn jebor’n – Jemand, der nie die Türen schließt
  • Nachtijall ick hör dir trapsen – eine Vorahnung haben
  • Pfannkuchen – Gebäck, das woanders Berliner, Kreppel oder Krapfen heißt
  • Dit is pille palle – Unsinn
  • Vaklickan – jemandem etwas beibringen

Aufs Ohr: Berlin tanzt

Es gibt wohl keine Stadt in Deutschland, die schon so häufig besungen wurde wie Berlin – ob als Rap, Indie-Song, Schlager oder Deutsch-Pop. Unsere Auswahl von Musik aus oder für die Hauptstadt:

Geschenke:

Mit Berlin verbinden viele Besucher vor allem kürzere Wochenendtrips. Unsere Auswahl von kleinen und großen, günstigen und teuren Souvenirs mit Berlin-Charme.

Ein edles und hochwertiges Mitbringsel ist ein Porzellangeschenk von KPM, der Königlichen Porzellan-Manufaktur. Die von Friedrich dem Großen gegründete Berliner Manufaktur vereint Tradition und Design. Enzo Mari, Trude Petri, Karl Friedrich Schinkel – weltberühmte Künstler haben KPM-Porzellan gestaltet. Tipp: Kaffee-to-go-Becher oder Cadre-Vasen lassen sich wunderbar verschenken.

Für Spirituosenliebhaber*innen ein Muss aus der Hauptstadt: Berliner Luft, ein klarer Pfefferminzlikör, weckt nostalgische Erinnerungen an lange Kreuzberger Nächte. Neben dem klassischen „Pfeffi“ gibt es weitere Sorten wie Schoko, Holunder und Cassis.

Earl Grey Limette ist hier keine Teesorte, Lavendelblüte Grapefruit keine Marmelade. Wer gern knuspert und außergewöhnliche Geschmackskombinationen schätzt, möge sich auf den Weg in die Popkornditorei nach Friedrichshain machen, Knalle-Popcorn kosten und für die Liebsten daheim mitnehmen.

Sie isoliert, ist plastikfrei und wird unter fairen Arbeitsbedingungen gefertigt. Noch dazu lässt sich die Soulbottle personalisieren und gravieren. Die Glastrinkflaschen des gleichnamigen Berliner Unternehmens können im Online-Shop oder auch im Neuköllner Soulcafé erworben werden.

Sommertrüffel mit Joghurt und Früchten, Kokosflocken in Zartbitter oder Berliner Bärenkugeln: Sie lieben es süß und schokoladig? Dann ist der Weg in eine der Sawade-Filialen genau richtig. Berlins älteste Pralinenmanufaktur, 1880 Unter den Linden eröffnet, war einst sogar Königlicher Hoflieferant.

Gwendolyn Dünner und Astrid Unverricht
Bildquelle: Medienbüro am Reichstag GmbH

Obwohl beide in Nordrhein-Westfalen geboren wurden, zog es unser Autorinnen-Duo Gwen und Astrid nach ihrem Studium in die deutsche Hauptstadt. Hier arbeiteten beide gemeinsam in einer Agentur und genossen die Vorzüge Berlins. Während es für Gwen vor einigen Jahren zurück in die Heimat ging, hält Astrid der Metropole die Treue.

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