Markt & Management

Cross-Border Trucking zwischen China und Europa

Effiziente Straßengütertransporte auf der Neuen Seidenstraße

Waren zuverlässig, sicher und pünktlich liefern – über eine Distanz von rund 13.000 Kilometern: Wenn die Aufgabenstellung lautet, Frachtgut von China nach Europa zu transportieren, gibt es mehrere Möglichkeiten. Flugzeug, Schiff und Bahn können als beliebte Optionen mit etlichen Vorteilen überzeugen, doch auch der grenzüberschreitende Straßengütertransport per Lkw – das sogenannte Cross-Border Trucking – erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Unter welchen Bedingungen ist diese Beförderungsart am effizientesten?

Die Neue Seidenstraße ist ein Projekt der Superlative: Unter dem offiziellen Namen „One Belt, One Road“ schließt China seit 2013 strategische Partnerschaften mit Häfen, Flughäfen und Eisenbahnnetzen in Asien, Europa und Afrika, um Chinas Position im Welthandel weiter zu verbessern. Die wirtschaftliche Wirkung ist deutlich spürbar, denn der Außenhandel zwischen der Volksrepublik China und Europa wächst ununterbrochen. Für Deutschland war der asiatische Staat laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2020 zum fünften Mal in Folge der wichtigste Handelspartner. Für China ist Deutschland wiederum der wichtigste europäische Partner. Insgesamt wurden Waren im Wert von 212,1 Milliarden Euro zwischen den beiden Staaten gehandelt – vor allem in den Bereichen Maschinenbau, Kfz-Teile, Elektrotechnik und Chemie.

Historisch bestehende Korridore im gemeinsamen Wirtschaftsraum von Asien und Europa sind Landverkehr und Seewege. Angesichts der langen Distanzen ist aber auch Luftfracht für importierende Unternehmen meist das erste Mittel der Wahl. Doch welcher Weg eignet sich am besten für die Beförderung der Güter zwischen Asien und Europa?

Internationaler Warentransport: Luft, See, Schiene oder Landtransport?

Der Versand mit dem Flugzeug überzeugt durch seine Schnelligkeit. Niedrige Transportkosten sprechen für den Wasserweg. Dennoch haben beide Optionen ihre Nachteile: Luftfracht kann mitunter sehr teuer sein; Seefracht ist vor allem für zeitkritische Güter ungeeignet und unterliegt oft Verspätungen und Schwankungen bei der Lieferzeit. Auch die Coronakrise spielt eine große Rolle: Zeitkritische Importe aus China wie Schutzmasken, Impfstoff und medizinische Geräte haben eine riesige Nachfrage, die so schnell wie möglich ohne Verzögerungen gedeckt werden muss.

Gleichzeitig sind die Kapazitäten im Schiffs- und Luftverkehr jedoch deutlich reduziert und die Transportkosten steigen entsprechend. Als Resultat wird der Straßenkorridor zwischen Europa und China immer wichtiger. Zwar hat sich die Coronakrise auch hier ausgewirkt, da zeitweise nur eine begrenzte Anzahl von Lkw pro Tag die Grenze zwischen China und Kasachstan passieren durfte. Nichtsdestotrotz bieten Lkw im grenzüberschreitenden Warentransport eine universell effiziente Lösung mit Vorteilen in puncto Transitzeiten, Frachtkosten und Verfügbarkeit.

Straßengütertransport ist zeit- und kosteneffizient

Das sogenannte Cross-Border Trucking ist günstiger als Luftfracht und mit einer Laufzeit von unter 20 Tagen schneller als Seefracht. Lkw können jegliche Produkte transportieren, auch Gefahrgut und großvolumige Fracht, die für die Beförderung mit dem Flugzeug ungeeignet sind. Gegenüber dem Schienenverkehr, der alternativen Variante des Frachttransports über Land, fällt die Lieferzeit ebenfalls deutlich kürzer aus.  Der Kunde profitiert von einer hohen Flexibilität und Unabhängigkeit von Flughäfen, Bahnhöfen und Seehäfen, da der zeitaufwendige Vor- und Nachlauf am Terminal entfällt. Zudem sind die Abfahrtzeiten frei wählbar und Platzmangel sowie Containerverfügbarkeit spielen keine Rolle.

Das Resultat: Immer mehr Kunden betrachten grenzüberschreitende Transporte per Lkw als eine schnelle und kosteneffiziente Lösung, die sie in ihre jährlichen Ausschreibungen einbeziehen. Eine der Routen der „Neuen Seidenstraße“ führt Lkws von China über Kasachstan, Russland, Belarus und Polen nach Deutschland. Das Zielland Deutschland ist ein wichtiger Logistikknoten für Europa, um Waren in andere Länder weiter zu transportieren – zum Beispiel nach Frankreich als natürliche Verlängerung der Handelsroute.

TIR-Handelsabkommen: freier Warenverkehr nach China

Im Rahmen von grenzüberschreitenden Frachttransporten ist Verzollung ein wichtiges Thema. Hier ist das TIR-Handelsabkommen, das in China seit 2019 voll gültig ist, von großer Bedeutung: Die Abkürzung steht für Transport Internationaux Routiers, also internationaler Straßengütertransport – eben jene Beförderungen, die nicht den Versandrichtlinien der EU unterliegen. Ein TIR-gekennzeichneter Lkw muss nicht an jeder Grenze ein Zollverfahren durchführen, sondern nur im Herkunfts- und Zielland. Dadurch kann sich die Lieferzeit immens verringern. Das dazugehörende Zolldokument ist ein sogenanntes Carnet TIR, das den Verwaltungsaufwand bei Zollkontrollen minimiert und somit die Abwicklung von Transitverkehr unkomplizierter gestaltet.

Cross-border Transport: FTL oder LTL?

Im Rahmen des TIR-Übereinkommens müssen die Waren in einem verplombten Fahrzeug transportiert werden. Hier unterscheidet man zwischen zwei Arten, die Fahrzeuge zu beladen: Wenn eine Sendung den gesamten Lkw-Platz ausfüllt, spricht man von Full Load oder Full Truck Load (FTL). Kunden nutzen dabei die direkteste und wirtschaftlichste Möglichkeit, die Ware von der Beladestelle bis zum endgültigen Bestimmungs- oder Verwendungsort zu transportieren. Und das unabhängig von der Art des Produkts, dem Gewicht, der besonderen Anforderung oder der Entfernung. Im Gegensatz dazu bezeichnen Less Than Truckloads (LTL) Teilladungen bzw. Sendungen, die aufgrund ihres geringen Volumens nur einen Teil des Containers ausfüllen. Die Waren der Kunden werden konsolidiert, d.h., sie teilen sich den Transport mit anderen Empfängern und profitieren von einer kostengünstigeren Lösung. Am Zielort werden die Sendungen wieder getrennt und jeweils an den endgültigen Bestimmungsort geliefert. Dieses Modell maximiert Auslastung und Effizienz des grenzüberschreitenden Frachttransports und reduziert die Umweltbelastung in der Lieferkette.

Welchen Anforderungen unterliegt Cross-Border Trucking?

Es gibt bestimmte Anforderungen an das Cross-Border Trucking, über die sich Kunden vorab informieren sollten. So sind die Gefahrgutklassen 1, 6.2 und 7 nicht für den Transport auf der Straße geeignet, sprich explosive Materialien, ansteckungsgefährliche und radioaktive Stoffe. Zudem gibt es innerhalb des TIR-Handelsabkommens bestimmte verbotene Waren: Alkohol und daraus hergestellte Produkte (klassifiziert unter HS-Code 22.07.10 und 22.08) sowie Tabak und daraus hergestellte Produkte (klassifiziert unter HS-Code 24.02.10, 24.02.20, 24.03.11 und 24.03.19) können demnach per Cross-Border Trucking zwischen China und Europa nicht transportiert werden. Möchten Kunden einen FTL-Service in Anspruch nehmen, sind gewisse Ladekapazitäten vonnöten – zum Beispiel beim Einsatz von Mega Tilt Trucks oder Wing Open Trucks, bei denen die Seiten des Fahrzeugs flügelartig aufklappbar sind. Je nach Art der Ladung werden luftgefederte Lkw eingesetzt, um das Risiko einer Beschädigung bei höherwertiger oder empfindlicher Ladung zu vermeiden.

Grenzüberschreitende Fracht sichern

Stichwort „Risiko“: Haben sich die Kunden für einen Frachttransport via Cross-Border Trucking entschieden, gilt es, einen zuverlässigen Dienstleister auszuwählen. Neben fixen Pauschalpreisen ist vor allem wichtig, dass die Sendungen gegen alle Arten von Risiken abgesichert sind. Insbesondere für wertvolle, zerbrechliche und hochflüchtige Güter, aber im Prinzip für Waren jeglicher Art, bietet eine GPS- und CCTV-Überwachung eine größtmögliche Transparenz über den Standort und Status der Sendung. Beide können als Zusatzdienstleistungen gebucht werden.

Der Dienstleister stellt mit diesen Features die Rückverfolgung des Containers sicher und kann jeden Zugang und jede Bewegung nachvollziehen. Ein Smart Lock-Feature hilft ebenfalls gegen Ladungsdiebstahl. Es verhindert den Zugriff von außen und eliminiert das Risiko der Korruption in der Lieferkette. So kann der Fahrer garantieren, dass der Container nicht geöffnet wurde – auch nicht beim einmaligen Umladen der Fracht an der Grenze von China nach Kasachstan, wenn ein Wechsel von einem chinesischen auf einen europäischen Truck stattfindet.

Know-how bei der Grenzüberschreitung

Ein kompetenter Dienstleister verfügt zudem über das notwendige Know-how rund um das Thema Zollabfertigung. Er übernimmt das Management dieses Prozesses, um sicherzustellen, dass die Lieferungen reibungslos und pünktlich erfolgen. Dazu gehören Leistungen wie die Erledigung aller Formalitäten für Import, Export und Transit (inklusive Anmeldung), die Erstellung der Zolldokumentation und der Ursprungszeugnisse sowie die Inspektion und Freigabe der Fracht. Auch in puncto Gefahrguttransport sollte Fachwissen vorhanden sein: Eine ordnungsgemäße Dokumentation und die Befolgung exakter Verfahren und Protokolle sind nicht nur notwendig, um Schäden an der Ladung zu vermeiden. Sie vermeiden auch jegliche Bedrohung für Menschenleben und die Umwelt. Ein gewissenhafter Transportdienstleister schult seine Mitarbeiter entsprechend in der Handhabung und Verarbeitung von Gefahrgut mit verschiedenen Klassifizierungen sowie Richtlinien zu Verpackung und Aufbewahrung. 

Fazit: Cross-Border Trucking als die Transportart mit den meisten Vorteilen

Die Nachfrage nach Import- und Exportgütern steigt nicht zuletzt seit dem Beitritt Chinas zum TIR-Handelsabkommen immer weiter an. Angesichts der Tatsache, dass die Kontinente Europa und Asien eine zusammenhängende Landmasse bilden und die Transporte daher entlang historisch gewachsener Verkehrswege erfolgen können, ist der Straßengütertransport besonders effizient. Fest steht: Cross-Border Trucking bietet den Kunden eine wirtschaftliche Lösung, die sich als die Transportart mit den meisten Vorteilen zwischen der zwar schnelleren, aber auch teureren Luftfracht und der noch günstigeren, aber wesentlich langsameren Seefracht positioniert. Insbesondere während wirtschaftlicher Ausnahmezeiten, in denen andere Transportmittel aufgrund eingeschränkter Verfügbarkeiten ungeeignet sind, gewährleistet es eine zeit- und kosteneffiziente Alternative.

Kontakt

 

Cross Border Trucking - Europa

Yannick Böttcher

Rhenus Air & Ocean Management GmbH & Co. KG
Lise-Meitner-Str. 2, 40721 Hilden
Deutschland

Tel.: +49 (0) 40 369016308
Mobil: +49 (0) 1511 1683643

Yannick.Boettcher@de.rhenus.com

Cross Border Trucking - Deutschland

Peter Hajek

Rhenus Freight Logistics GmbH & Co. KG
Im Huelsenfeld 25, 40721 Hilden
Deutschland

Tel.: +49 743 176 302 91
Mobil: +49 151 553 537 18

Peter.Hajek@de.rhenus.com

Sie sind an weiteren Informationen interessiert?

Wann der Lkw-Transport gegenüber dem Transport per Luftfracht vorzuziehen ist, ermitteln Sie anhand unserer Checkliste.

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Kommentare.

Für diesen Artikel gibt es 1 Kommentar.

FSpiekermann

30.06.2021 - 13:03

Whom can I contact for direct trucking from China to Germany?

LPC-Team

08.07.2021 - 11:08

Dear FSPIEKERMANN, thanks for the hint! We updated the article and added the contact details so that you can contact our experts directly!

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