Containerknappheit und Fachkräftemangel in Zeiten von Covid-19

Seit Frühjahr 2020 hat Covid-19 die Welt fest im Griff. Die Auswirkungen der Pandemie sind in der Logistik auf dem gesamten Globus spürbar. Dass es innovative Konzepte und Lösungen braucht, um Kapazitätsproblemen auf Schiffen und in Lagerhäusern zu trotzen, ist längst deutlich geworden. Die Abteilung Project Logistics eines der führenden deutschen Spediteure hat deshalb in den vergangenen anderthalb Jahren verschiedene Ansätze entwickelt, wie Hersteller und Logistikdienstleister gemeinsam die Herausforderungen der aktuellen Situation bewältigen können.

Es ist ein ganz normaler Arbeitstag im Büro eines der führenden deutschen Projektlogistik-Spediteure. Niels Walch, einer der Projektleiter des Unternehmens, bearbeitet gerade eine dringende Kundenanfrage: die Verschiffung von Projektladungen von China nach Deutschland. Vor Covid-19 wäre das eine große Chance gewesen. Heute, Ende 2021 und inmitten der Pandemie, ist es eine echte Herausforderung. Kapazitätsprobleme auf regulären Containerschiffen, RoRo- und Break-Bulk-Schiffen, keine garantierten Verschiffungstermine, wiederholte Stornierungen von Fahrten, Abfertigungsverzögerungen an den Häfen, keine freien Kapazitäten in den Lagerhäusern, um die Ware für eine spätere Abfahrt zu lagern, und nicht zuletzt erhöhte Preise – all das ist zur neuen Normalität geworden.

In der Schifffahrt noch nie dagewesene Situation

Dabei betrifft die Seefrachtkrise in Zeiten von Corona nicht nur einzelne Branchen, sondern praktisch jedes Unternehmen. „Ich weiß nicht, wie die Hersteller diese Herausforderungen allein bewältigen können. Selbst für ein Unternehmen wie uns, das in der Projektlogistik über jahrelange Erfahrung verfügt, ist diese Situation etwas, das wir noch nie erlebt haben“, erzählt Walch.

Während zunächst vor allem Containerlieferungen betroffen waren, sind es gerade wegen dieser Engpässe mittlerweile auch RoRo- und Break-Bulk-Verschiffungen, da jeder verfügbare Schiffsraum genutzt wird. Am drastischsten scheint die Lage bei Lieferungen von China nach Europa und in die USA zu sein. Letztlich mangelt es in der Projektlogistik nämlich nicht nur an Schiffsraum für sogenannte OOG-Ware („out of gauge“ sind Ladungen mit Übergröße wie z.B. Schwergut) und dazugehörige, containerisierbare Kleinteile. Auch die Umschlagskapazitäten in den Häfen sind extrem begrenzt, was häufige Abfertigungsverzögerungen verursacht.

Kapazitätsprobleme durch steigende Nachfrage nach Corona-Einbruch

Covid-19 bringt auch nach rund anderthalb Jahren eine Vielzahl an Herausforderungen mit sich. Viele Reedereien waren mit Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 gezwungen, zeitlich begrenzt wichtige Verbindungen zu kappen, Schiffe stillzulegen und weniger Neubestellungen zu tätigen. Der sich an den ersten Lockdown anschließende Nachfrage-Boom führte zwangsläufig zu Engpässen, die mithilfe der derzeit vorhandenen Schiffs- und Containerkapazitäten nicht zu bewältigen sind.

Zusätzlich haben mit der Pandemie einhergehende Quarantäne-Maßnahmen für Schiffsbesatzung und Hafenpersonal zur Folge, dass immer wieder wichtige Fachkräfte zur Abfertigung von Lieferungen fehlen. Das wiederum führt zu regelrechten Staus in den Häfen und zu Verzögerungen beim Weitertransport der Ware – ein Problem, das auch Walch und seinem Team nicht unbekannt ist.

So erwies sich zum Beispiel das Vorhaben, im Sommer 2021 für einen Kunden die RoRo-Verschiffung einer Teilsendung von Shanghai in China nach Baltimore in die USA zu buchen, als deutlich umständlicher als vor der Pandemie. Das am frühesten verfügbare Schiff für diese Lieferung wurde dabei für Herbst vorgeschlagen und alle Versuche, eine frühere Abfahrt zu arrangieren, scheiterten beim Anbieter mit dem Kommentar „kein Schiffsraum verfügbar“. Als sich nun auch noch die Situation in Shanghai verschlechterte und Reedereien begannen, ihre Abfahrten umzuplanen und schließlich den Hafen aufgrund der starken Überlastung komplett auszulassen, fiel die für im Herbst gebuchte Option weg. Eine Abfahrt wäre dann frühestens Anfang 2022 möglich gewesen, auch bei anderen Anbietern. „FCL-Verschiffungen waren zu dem Zeitpunkt auch keine Alternative, da die Raten für Container immer noch neue Höchststände erreichen“, berichtet Walch. Es galt also, weiter nach einer geeigneten Lösung zu suchen.

Hersteller und Spediteure gleichermaßen betroffen

Logistikdienstleister sind in der Krise mit denselben Problemen konfrontiert wie ihre Kunden. Hinzu kommt, dass diese oft Erklärungsbedarf haben. „Wenn man den Markt nicht kennt oder keinen Zugang zu Experten hat, kann die aktuelle Situation für das eigene Unternehmen verheerend sein“, so Walch.

Deshalb tun die Spediteure alles, um den Herstellern die momentanen Veränderungen auf dem Markt wie unzuverlässige Fahrpläne und Kapazitätsprobleme zu erklären und sie darauf vorzubereiten. Gemeinsam erarbeiten Projektlogistiker und Kunden anschließend Ansätze, die auch die aktuellen Herausforderungen miteinbeziehen. Das erfordert zwar einen deutlichen Mehraufwand, da noch mehr Optionen miteinander zu vergleichen sind, sichert in der aktuellen Lage aber weiterhin die bestmöglichen Lösungen.

Maßgeschneiderte Konzepte in der Projektlogistik wichtiger denn je

Gerade ist das besonders wichtig, da sich Verzögerungen bei Schwerlasttransporten und umfangreichen Projekten mit komplexer Vorplanung auf die Lieferprozesse in der gesamten Supply Chain auswirken.

„In der Projektlogistik ist entscheidend, alle verfügbaren Möglichkeiten zu prüfen, um die Kosten niedrig zu halten und den Zeitplan des Kunden einzuhalten. Das erfordert Kreativität, vor allem wenn es darum geht, neue Möglichkeiten zu erkunden.“
Niels Walch | Project Manager bei Rhenus Project Logistics

Das sind unter anderem neue Transportmethoden mit individuell angepassten Verpackungslösungen, aber auch das Ausloten freier Kapazitäten bei herkömmlichen Methoden.

Gutes Transportmanagement mit Fachleuten weltweit

Um auf die sich täglich ändernden Gegebenheiten in Zeiten von Covid-19 zügig zu reagieren, ist ein umfangreiches Management nicht nur im Vorfeld, sondern auch während der gesamten Projektabwicklung unabdingbar. Viele Unternehmen haben jedoch selbst nicht die nötigen Kapazitäten sowie ausreichend Expertise, um der Krise angepasste Lösungen zu erarbeiten.

Bei Project Logistics ging es hingegen schon immer um maßgeschneiderte Konzepte. Planung und Management erfolgen durch erfahrene Fachleute weltweit. „Wir als Projektlogistik-Spediteur wägen alle Möglichkeiten gegeneinander ab, wenn es darum geht, für unsere Kunden die effizienteste Lösung zu erarbeiten“, so Walch. Dazu gehört auch, eventuelle Risiken wie Kapazitätsprobleme und Abfertigungsverzögerungen sowie zusätzliche Kostenfaktoren miteinzubeziehen. 

So auch im oben genannten Fall des Transports von Shanghai nach Baltimore: Hier entschied Walchs Team, das Ganze per Break-Bulk-Carrier zu verschiffen, um den zuvor geplanten Termin im Herbst doch noch einhalten zu können. „Wir nutzen unser gesamtes Know-how, um die richtige Option zur richtigen Zeit zu einem vernünftigen Preis zu finden sowie zeitnah auf eventuelle Ausfälle und Planänderungen zu reagieren. So sorgen wir für die derzeit bestmöglichen Rahmenbedingungen und helfen unseren Kunden, sich auch in Zeiten von Corona auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren.“

Sie sind an weiteren Informationen interessiert?

Mehr über umfangreiche Projekte, die komplexe Vorplanung und fundiertes Wissen lesen Sie hier.

Mehr


Kommentare

Für diesen Artikel gibt es 0 Kommentare

Was denken Sie?

Bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel zu speichern oder zu kommentieren.
Sie sind noch nicht angemeldet? Jetzt registrieren

Anmelden

Bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel zu speichern oder zu kommentieren.
Sie sind noch nicht angemeldet? Registrieren

arrow_upward