Orientalisches Flair in Usbekistan erleben

Wer Usbekistan entlang der traditionsreichen Seidenstraße passiert, sollte einen Ort auf keine Fall verpassen: Samarkand. Die Hauptstadt des gleichnamigen Veloyats (=Provinz) fasziniert Besuchende durch ihre Mischung aus orientalischem Zauber, atemberaubenden Prachtbauten und (post)sowjetischer Architektur. Wir nehmen Sie mit auf eine Reise in eine der ältesten Städte Zentralasiens.

Usbekische Städte wie Samarkand waren vor Entdeckung des Seewegs nach Indien und China bedeutende Handelsplätze der Seidenstraße und zogen viele Machthaber wie Alexander den Großen, Dschingis Khan oder Amir Timur an. Im 19. Jahrhundert drangen russische Truppen nach Zentralasien vor, erst seit 1991 ist Usbekistan eine unabhängige Republik. Den Glanz vergangener Zeiten und die Einflüsse der jeweiligen Eroberer kann man in Samarkand heute noch an vielen Ecken hautnah erleben.

Alle Wege führen zum Registan

Samarkand – schon der Name klingt nach Märchen und Abenteuern – und er verspricht nicht zu viel. Der Anblick des Registans, Samarkands Wahrzeichen und UNESCO-Weltkulturerbe, verschlägt dem Besucher vor Staunen den Atem. Flankiert von drei mosaikverzierten, monumentalen Medresen, lädt der Platz zum Träumen ein – bei Tag und Nacht. Die einst religiösen Schulen fungieren heute allerdings nur mehr als Basare und Museen.

Der Registan bei Nacht: Medresen im bunten Farbenrausch

Folgt man vom Registan aus der endlosen Tashkent Road, gelangt man zur Bibi-Chanum-Moschee, im 15. Jahrhundert eine der größten und prächtigsten Kathedralmoscheen Zentralasiens. In der gleißenden Sonne schimmert ihre türkisblaue Kuppel. Überhaupt ziehen zwangsläufig immer wieder prächtige Bauwerke der sogenannten vier M, nämlich Moscheen, Medresen, Minarette und Mausoleen, Besuchende in ihren Bann.

Um Bibi Chanum ranken sich zahlreiche Legenden. So habe die Lieblingsfrau des mittelasiatischen Herrschers Amir Timur, auch als Tamerlan bekannt, den Moscheebau als Geschenk veranlasst. Nach einem Kuss auf Bibis Wange floh der Baumeister aufs Minarett der Moschee, baute sich Flügel und flog nach Persien. In jedem Fall lohnt sich ein Besuch der prachtvollen Anlage, die zu den am aufwendigsten verzierten Moscheen in Zentralasien zählt.

Buntes Treiben auf dem Siyob-Basar

Gleich hinter der Moschee duftet der quirlige Siyob-Basar mit zahlreichen Ständen voller kulinarischer Leckerbissen wie frischem Brot, Gebäck, Obst, Nüssen und Gewürzen. Sobald der Besucher nur in die Richtung blickt, wird ihm schon eine Kleinigkeit zu Essen oder ein Tee gereicht. Bereits zu Zeiten der alten Seidenstraße tauschten Händler hier ihre Waren aus.

Folgt man der Straße, gelangt man über einen Hügel zum Afrosiyob. Auf dem Hochplateau, auf dem immer wieder Ausgrabungen stattfinden, lag die sogdische Hauptstadt, der Vorläufer Samarkands. Als Dschingis Khan die Stadt dem Erdboden gleichmachte, wurde das neue Samarkand in der angrenzenden Ebene errichtet.

Diese Sehenswürdigkeiten sollten Sie nicht verpassen!

Der Registan

Der Registan: unbestrittenes Highlight und Wahrzeichen von Samarkand. Den besten Blick auf das Ensemble der drei Medresen Ulug-Beg, Tillya-Kari und Schirdor hat man von der Aussichtsplattform vor dem Platz.

Bibi-Chanum-Moschee

Trinkfest und betörend schön soll die „alte Herrscherin“ Bibi Chanum Überlieferungen nach gewesen sein. Schon bald nach Fertigstellung des Bauwerks 1404 verfiel die nach ihr benannte Bibi-Chanum-Moschee zusehends. Eine Vielzahl von Restaurierungsversuchen setzt sich bis heute fort.

Gur-Emir-Mausoleum

Das Gur-Emir-Mausoleum ist die Begräbnisstätte Amir Timurs sowie einiger Angehöriger und wurde Anfang des 15. Jahrhunderts gebaut. Die gerippte, melonenähnliche Kuppel sei wie das ewige Himmelsgewölbe, in der sich die ganze Erde spiegele, sollen die Worte des Dichters Alisher Navoi gewesen sein.

Gräberstadt Schah-i Sinda

Die timuridische Baukunst der Gräberstadt Schah-i Sinda erstrahlt besonders ehrwürdig zum Sonnenuntergang. Durch ein mächtiges Portal betritt man die untere Nekropole, eine Treppe führt in den oberen Bereich. Der Fassadenschmuck aus Majolika-Mosaiken und kunstvoll arrangierten Fliesen gibt den Gräbern ein prunkvolles Antlitz.

Syob-Basar

Der Syob-Basar ist der größte Markt der Stadt. Unmengen an Obst, frischem Gemüse, Gewürzen, Nüssen und Süßigkeiten werden hier feilgeboten. Naschen erlaubt!

Mirza Ulug Beg

Mirza Ulug Beg war der Enkel von Amir Timur und im 15. Jahrhundert Herrscher über Samarkand. Nicht nur in der arabischen Welt wurde er für seine wissenschaftlichen Erfolge als Astronom gefeiert. Die Überreste des Observatoriums mit einem rund 40 Meter langen Sextanten und ein angeschlossenes Museum können Sie noch heute besichtigen.

Papierfabrik Meros

In der am Ortsrand von Samarkand gelegenen Papierfabrik Meros können Besuchende erleben, wie Papier aus der Rinde von Maulbeerbäumen hergestellt wird, vom Abschälen über das Stampfen, Schöpfen und Glätten bis zum Verkauf.

Afrosiyob

Chair – auf Wiedersehen, Samarkand! Es gibt noch viel mehr zu entdecken im bevölkerungsreichsten Land Zentralasiens. Mit dem Hochgeschwindigkeitszug Afrosiyob reist man nicht nur schnell, sondern auch komfortabel. Bis nach Taschkent dauert die Fahrt rund zwei Stunden. Ist der Zug schon ausgebucht, kann die Fahrt mit dem Expresszug Shark zurückgelegt werden.

Erhaben ruht Schah-i Sinda

Südlich des Afrosiyob befindet sich die Nekropole Schah-i Sinda. Hier kann etwa die Hälfte der Grabstätten besichtigt werden. Der Aufstieg der Treppe zur mittleren Mausoleen-Gruppe belohnt mit einer Aussicht auf Samarkand zur einen Seite und mit besonders schönen Fayencen aus der Timuridenzeit zur anderen.

Noch etwas weiter nordöstlich befindet sich das Ulug-Beg-Observatorium. Der Astronom und Timuriden-Fürst holte die zu seiner Zeit gelehrtesten Wissenschaftler in die Stadt. Gemeinsam gelang es ihnen, fast 1.000 Sterne zu vermessen. Wichtigstes Messinstrument für die astronomischen Beobachtungen war ein in Stein gehauener Sextant.

Russischer Einfluss in der Neustadt

Samarkand fasziniert jedoch nicht nur mit seinen orientalischen Bauwerken, sondern auch durch seinen Stilmix. Wer etwas mehr Zeit mitbringt, kann dies bei einer Runde durch die russische Neustadt erleben und entdeckt russisch-orthodoxe Kirchen, Kolonialbauten und den lohnenswerten Alisher-Navoi-Park. Um Samarkand zu erkunden und die besondere Atmosphäre der Stadt zu spüren, braucht es mehrere Tage. Viele Besucher zieht es zudem für einen Ausflug ins rund 100 Kilometer entfernte Shahrisabz, der Geburtsstadt Amir Timurs. Die Fahrt über den Gebirgspass ist auch landschaftlich reizvoll.

Seidenstraße gestern und heute: Handelsroute, die die Welt bewegt

Die antike Seidenstraße war jahrhundertelang die wichtigste Handelsroute der Welt und Usbekistan ihr Herzstück. Zwar sind die Zeiten, in denen Karawanen mit Kamelen durch die Wüste zogen, vorbei. Auf den Straßen von Samarkand sieht man aber auch heute gelegentlich noch Eselswagen, mit denen Güter bewegt werden.

Über längere Strecken werden Waren hauptsächlich per Lkw oder Zug transportiert. Neben Liechtenstein ist Usbekistan der einzige Binnenstaat, der ausschließlich an andere Binnenländer grenzt. Zudem besteht die Republik zu rund 80 Prozent aus Wüsten- und Steppenlandschaft. Schiffsverkehr ist also nur eingeschränkt möglich. Im Zuge der Neuen Seidenstraße sind viele neue Handelswege entstanden, auch durch Usbekistan. Das Land profitiert von Investitionen in die Infrastruktur, etwa in Tunnels und Autobahnen. Dies ist auch nötig. Allein Samarkand zählt mehr als eine halbe Million Einwohner – die Stadtentwicklung rechnet mit einer Verdopplung bis 2040.

Samarkand besitzt zudem einen eigenen internationalen Flughafen mit Flügen nach Russland, Kasachstan, in die Türkei und nach Taschkent. Für Inlandsreisen empfiehlt sich jedoch der Zug. Besonders komfortabel und schnell ist, wie bereits erwähnt, der Afrosiyob, der Samarkand mit der Hauptstadt sowie Buchara verbindet.

Tischlein deck dich: kulinarische Köstlichkeiten aus der usbekischen Küche

Die usbekische Küche ist reich an Fleisch. Erste Wahl ist oftmals Hammelfleisch. Aber auch Teigtaschen und Suppen werden gern verspeist. Brot darf bei keiner Mahlzeit fehlen. Als Nachtisch wird viel Obst serviert. Erfreuen kann man sich unter anderem an Maulbeeren, Melonen, Aprikosen, Granatäpfeln, Trauben und Feigen – je nachdem, zu welcher Jahreszeit man das Land besucht. Übrigens: Samarkand ist für seine süßen Kirschen bekannt.

 

Plov

Wenn man schon sterben muss, dann an Plov, heißt es unter den Usbeken. Das köstliche Nationalgericht besteht aus Reis, Zwiebeln, Möhren, Gewürzen, Rosinen, Ei und zumeist Hammelfleisch.

Brot

Ob auf Basaren, an Straßenrändern oder im Restaurant: Frisches Brot (Non) findet sich überall. Gebacken wird es in Lehmöfen – dabei wird der rohe Teig an die Innenseite des Ofens geklebt.

Joghurtbällchen

Die kleinen, meist hellen Bällchen sehen zwar unscheinbar aus, haben es aber in sich. Die Kugeln aus einer getrockneten Joghurtmasse sind oftmals sehr salzig. Verfeinert werden sie manchmal mit Kräutern oder Paprikapulver. Als kleinen Snack kann man sie auf den Märkten kaufen.

Manti und Somsa

Sie stehen auf fast jeder Speisekarte: Manti, gedämpfte Teigtaschen, die meist mit Fleisch und Zwiebeln gefüllt sind, und ihre gebackene Variante, die Somsa. Gern gegessen und in Samarkand für gut befunden sind sie nter anderem im Oriental Sweets Caravan Sarai zu finden.

Tschoy (Tee)

Usbekinnen udn Usbeken lieben Tee. Getrunken wird er aus der Piala, einer verzierten Tasse ohne Henkel. Vor dem Genuss wird der Tee gemäß Zeremonie drei Mal in die Piala und zurück in die Kanne gegossen. In Samarkand kann Tee beispielsweise in den Teestuben Bibi Khanum und Choyxona genossen werden.

Direkt aufs Ohr: Melodien des Orients

Usbekistan hat viele landestypische Musikinstrumente: die Blasinstrumente Karnai und Sarnai, die Handtrommel Doira und die Zupfinstrumente Dutar und Gijak. Musik ist ein wichtiger Teil der usbekischen Kultur, orientalische Tänze und Brauchtumslieder sind tief verwurzelt. Seit mehr als 20 Jahren findet alle zwei Jahre in Samarkand das internationale Folklorefestival Sharq Taronalari (Melodien des Orients) statt. Diese jeweils Ende August auf dem Registan-Platz durchgeführten Konzerte gehören zu den größten im Land.

Geschmackvolle Andenken aus Usbekistan

Nippes adé: Wer in Usbekistan zu Gast ist, dem fällt es leicht, geschmackvolle Mitbringsel für sich und seine Lieben zu finden. Die Zahl an Marktständen und Basaren ist schier unendlich. Angeboten werden Textilhandwerk, Keramik, Wandteppiche, Schmiede- und Gravur-Arbeiten, Holzschnitzereien, Kalligrafie, Malerei und und und. Hinzu kommt die Möglichkeit, haltbare Lebensmittel wie Gewürzmischungen, Trockenfrüchte, Pistazien oder Mandeln einzukaufen.

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Auf der Seidenstraße unterwegs

Unsere Redakteurin Astrid erkundete im Herbst 2021 mit einer Kleingruppe Usbekistan per Flugzeug, Schnellzug, Kleinbus und Reitkamel. Vor Ort kam die Gruppe schnell mit zahlreichen Einheimischen ins Gespräch: Kunsthandwerkern, Baumwollpflückerinnen, Erntehelferinnen und Imamen. Die Offenheit, Freude und das Interesse der Einheimischen haben sie nachhaltig beeindruckt.

Sie waren auch schon einmal in Usbekistan oder an anderen spannenden Orten der Seidenstraße? Erzählen Sie uns, was Ihnen besonders gefallen hat!

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