Einsatz von Gefahrstoff-Datenbanken im Fokus

Um das Lagern von Gefahrstoffen sicher zu gestalten, treffen Logistikdienstleister zahlreiche Maßnahmen. Spezifische Gefahrstoffläger müssen beispielsweise infrastrukturell auf die Anforderungen der Produkte ausgerichtet sein. Ein oftmals vernachlässigter Aspekt ist dabei die IT. Über die typischen ERP- und WMS-Systeme hinaus arbeiten viele Standorte noch mit klassisch ausgedruckten Sicherheitsdatenblättern. Das ist in der Praxis nicht nur umständlich, sondern kann im Brandfall auch das Einleiten wichtiger Gegenmaßnahmen behindern. Abhilfe schaffen dezidierte Gefahrstoff-Datenbanken.

Der Name sagt es bereits: Gefahrstoffe können gefährlich für Mensch und Umwelt sein. Gleichzeitig erfüllen Chemikalien & Co. wichtige Funktionen bei der Herstellung diverser Anwendungen – von industriellen Anlagen bis hin zu alltäglichen Putzmitteln. Im Rahmen ihrer Supply Chain benötigen Unternehmen aus der Chemie-, Pharmazie- und Lebensmittelindustrie eine konforme Lagerinfrastruktur. Der logistische Rahmen sollte Sicherheits- und Umweltvorschriften berücksichtigen, aber auch einen reibungslosen Warenfluss ermöglichen. Dafür ist es wichtig, auf erfahrene Logistikdienstleister zu setzen, die über das notwendige Know-how zur Lagerung von Gefahrstoffen und den damit verbundenen Herausforderungen verfügen.

Diverse Maßnahmen für ein sicheres Handling

Der Umgang mit gefährlichen Gütern erfordert entsprechende Zertifikate und Genehmigungen. Um ein sicheres Handling zu gewährleisten, muss ein Gefahrstofflager vor allem zwei Dinge erfüllen: Es muss einerseits die Art und Menge der gelagerten Stoffe an die Feuerwehr und die örtlichen Behörden reporten. Die Anlage muss auf die direkte Betriebsfeuerwehr, sofern vorhanden, aufgeschaltet sein bzw. von der nächsten Großfeuerwehr betreut werden. Andererseits muss das Lager im Rahmen des Risikomanagements Sicherheitsdatenblätter für die Bewertung der Stoffe bereitstellen. Hier hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan: Früher war es eine behördliche Pflicht, für jedes Produkt ein aktuelles und für alle Mitarbeiter zugängliches Sicherheitsdatenblatt in deutscher Sprache ausgedruckt am Standort auszulegen. Das war mit einem hohen Aufwand verbunden, da die Lagerbetreiber jährlich Tausende Datenblätter neu beim Lieferanten anfragen und austauschen musste. Um die Daten effizienter und nachhaltiger zu pflegen, sind Läger vermehrt dazu übergangen, digitale Varianten anzufertigen.

Von manueller zur digitalen Datenpflege

Digital bedeutet aber in vielen Fällen nicht effizient. Viele Läger legen zum Beispiel eine ausgedruckte Excelliste aus, da sie bereits so ihre behördliche Pflicht erfüllt haben. Das ist in mehrerer Hinsicht nachteilig: Die Listen sind in der Regel schlecht auswertbar, was die Auffindbarkeit relevanter Informationen erschwert.  Zugleich werden die Listen oft nicht up to date gehalten. Die Stammdatenqualität ist jedoch die Grundvoraussetzung für reibungslose Prozesse. Zusätzlich sind die Papierdokumente ein denkbar schlechtes Medium im Katastrophenfall, da sie verloren gehen oder zerstört werden können. Eine alternative und fortschrittliche Lösung bieten webbasierte Gefahrstoff-Datenbanken, die über eine Schnittstelle mit dem Warehouse Management System kommunizieren. Sie stellen die Daten der zu lagernden Mengen optimal und in Echtzeit dar – unter anderem H-Sätze, Stoffkategorien, Gewicht und Verpackungseinheiten. In Kombination mit Handlungsanweisungen und Sicherheitsdatenblättern dienen sie als Grundlage für die Sicherheit am Standort. Zusätzlich werden die Mitarbeiter dazu animiert, die Daten in der übersichtlichen Software aktuell zu halten. Infolgedessen kostet die Suche nach relevanten Daten deutlich weniger Zeit.

Gefahrstoff-Datenbanken machen Bestände sichtbar

Das Hauptziel einer Gefahrstoff-Datenbank ist die Sicherstellung des konformen Arbeitens. Sie hat den Vorteil, dass sie den Anforderungen der Behörden entspricht, aber auch das sichere und verantwortungsvolle Arbeiten der Mitarbeiter gewährleistet. Auch vertrieblich können die Lagerbetreiber besser agieren: Wo liegen die Mengenschwellen? Kann das Lager noch weitere Produkte aufnehmen? Wie kann sich der Standort am Markt positionieren? Sind sie speziell auf Logistik und Warehousing ausgelegt, brechen die Tools das Bestandsmanagement bis auf Kilogrammebene und auf Minutentaktung herunter. Das ist besonders wichtig, da oftmals die Lagerung verschiedener Kunden an einem Standort konsolidiert wird. Bei produzierenden Gewerben wie Chemieparks ist dies weniger relevant, da sie mit Planmengen arbeiten. Die Logistik hingegen muss die Bewegung der Gefahrstoffe exakt nachvollziehen können.

Worst Case: Was tun im Katastrophenfall?

Es ist das Horrorszenario in Branchen, die mit Gefahrstoffen arbeiten: Die Anlage brennt oder explodiert. Es kann aber zu weniger kritischen Unfällen wie dem Austritt von Kleinstmengen im Lager kommen. In diesen Störfällen bieten die digitalen Daten zu den Beständen die Grundlage, um nachvollziehen zu können, was passiert ist, welche Ursachen zugrunde liegen und ob am Standort regelkonform gearbeitet wurde. Um welche Produkte handelt es sich? Gab es eine kritische Masse am Schwellpunkt? Welche Handlungs- und Evakuierungsmaßnahmen gibt es? Unter anderem erhält die Feuerwehr einen Überblick über die diversen Lagerkategorien und die einzusetzenden Löschmittel. Ist ein hohes Volumen eines Gefahrstoffs involviert, kann die Feuerwehr zum Beispiel entscheiden, ab einem gewissen Punkt nicht mehr zu löschen und die Anlage ausbrennen zu lassen. Zudem kann sie bewerten, ob die Bewohner in einem bestimmten Umgebungsradius Schutz benötigen, und entsprechend einen Katastrophenalarm auslösen.

IT-Tool als Anti-Terror-Maßnahme nutzen

Sicherheitsdatenblätter sind elementar für die Sicherheit am Standort. Gleichzeitig liefern sie sensible Informationen über die Zusammensetzung und Verwendung von Gefahrstoffen. Hier fungiert die Gefahrstoff-Datenbank als Übersichtstool mit dem Zweck des Anti-Terror-Schutzes. Der Lagerbetreiber muss darauf achten, dass er keinen Mix von Stoffen auf Lager hält, die gemeinsam einen noch gefährlicheren Mix ergeben. Das Ergebnis kann andernfalls der Bau einer Bombe oder eine heftige Reaktion sein, durch die sich die Stoffe nicht mehr löschen lassen. So erhält der Logistikdienstleister notwendige Sicherheitsdaten zur Prävention sowie inhaltliche Übersichten zu Produkten und Mengen, die einer gewissen Überwachung unterliegen. Weitere wichtige Informationen sind beispielsweise Ausfuhrverbote für bestimmte Stoffe, die Grundvoraussetzung für ein proaktives Arbeiten mit dem Kunden sind.

Verantwortungsvolle Logistikdienstleister erkennen

Fest steht: Die Risiken bei der Lagerung von Gefahrstoffen sind hoch – umso wichtiger ist ein verantwortungsvoller Umgang. Manche Logistiker betreiben ein sogenanntes Umschlagsdepot, da Gefahrstoffe 24 Stunden lang ohne Genehmigungen zwischengelagert werden dürfen. Daher ist das Angebot und der Einsatz einer Gefahrstoff-Datenbank für potenzielle Nutzer eines Lagerstandorts ein wichtiges Ausschlusskriterium, um seriöse Logistikdienstleister mit genehmigungskonformen Prozessen von unseriösen Anbietern zu unterscheiden.

Neben der Gewährleistung oberster Sicherheit am Standort bietet eine Datenbank den kundenindividuellen Einsatz für nachgelagerte Benefits. Insbesondere Kunden mit komplexen Logistikprozessen und Anforderungen profitieren von einem bedarfsgerechten Reporting, das die Bestände und Bewegungen der Waren innerhalb der Supply Chain sichtbar und damit vergleichbar macht. Das Ergebnis: Der Einsatz der Gefahrstoff-Datenbank wird zum Wettbewerbsvorteil und stellt dem Anwender ein Tool zur Verfügung, mit dem er sein eigenes Business reflektieren kann.

So funktioniert das Ganze

Rhenus verfügt über umfassende Kenntnisse im Gefahrstoffbereich. Ein aktuelles Whitepaper informiert über Richtlinien für die Lagerung von Chemikalien und Gefahrstoffen.

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