Logistische Einbringung von roboterassistierten Chirurgiesystemen

In der Chirurgie ist Fingerspitzengefühl gefragt; auch Teamwork ist entscheidend für den Erfolg einer Operation. Um diese Ansprüche an absolute Präzision zu erfüllen, haben sich seit einigen Jahren OP-Roboter als Assistenten der Mediziner etabliert. Bevor sie jedoch den Weg in den Operationssaal finden, ist es die Aufgabe von spezialisierten Logistikdienstleistern, die hochwertigen und kostenintensiven Geräte zu transportieren.

Ob zur Prävention, Diagnose oder Behandlung – der Markt für Medizintechnik boomt. Das liegt vor allem an der demografischen Entwicklung der Gesellschaft. Vermehrt ältere Patienten entwickeln immer häufiger chronische Erkrankungen. Gleichzeitig steigt die Notwendigkeit chirurgischer Eingriffe. Laut Precedence Research wird erwartet, dass der globale Markt für medizinische Geräte auf ca. 549,16 Milliarden EUR im Jahr 2027 ansteigt. Dieses Wachstum wird durch den medizinisch-technischen Fortschritt weiter beschleunigt. Insbesondere Innovationen aus der Hightech-Gesundheitsbranche tragen dazu bei, Abläufe im Behandlungsalltag effizienter und schneller zu gestalten. Ein Beispiel: roboterassistierte Chirurgiesysteme, kurz OP-Roboter.

Robotiklösungen in der Chirurgie

OP-Roboter halten seit einigen Jahren verstärkt Einzug in Operationssäle. Sie wurden entwickelt, um die Grenzen der bestehenden chirurgischen Verfahren zu überwinden und die Fähigkeiten von Chirurgen bei offenen Operationen zu verbessern. Zum Beispiel, indem sie – im Gegensatz zum Menschen – jederzeit ermüdungsfrei arbeiten können und der natürliche Tremor der Chirurgenhand wegfällt. Zudem übernehmen sie eine wichtige Entlastungsfunktion. Da es sich gerade bei minimalinvasiven Eingriffen um sehr präzise Tätigkeiten handelt, leiden etliche Chirurgen mit zunehmender Berufserfahrung unter Sehstörungen sowie Rücken- und Handproblemen. Entsprechend ist die robotergestützte Chirurgie auf dem Vormarsch, um die berufliche Lebensdauer der Chirurgen zu verlängern.

Drei Hauptsegmente von OP-Robotern

Generell unterscheidet man drei Hauptsegmente: Robotik für die allgemeine Chirurgie, orthopädische Robotik und Robotik für die Neurochirurgie. Das Segment Allgemeinchirurgie dominierte im Jahr 2020 den Markt zu fast 89 Prozent, so Medical Device Network. Der Markt für orthopädische Robotik werde sich bis 2030 voraussichtlich verdoppeln und 750 Mio. USD erreichen; Neurochirurgie-Robotik sei hingegen das am schnellsten wachsende Segment mit einer jährlichen Wachstumsrate von 10,1 Prozent bis 2030.

Steigende Nachfrage lässt Transportbereich wachsen

Bedingt durch das immense Wachstum der Branche wird auch der dahinterstehende Logistikaufwand größer. Da die Robotiklösungen hochwertig und in der Anschaffung kostenintensiv sind – ein OP-Roboter kostet im Durchschnitt rund 1,8 Mio. EUR –, sind ein sicherer Transport und die Einbringung am finalen Verwendungsort keine zu unterschätzende Aufgabe. Traditionell übernehmen die Hersteller von OP-Robotern diese selbst. Um sie bei steigender Nachfrage weiterhin effizient bewältigen zu können, erkennen mittlerweile immer mehr Unternehmen die Notwendigkeit, ihre Logistik an einen spezialisierten Dienstleister auszulagern. Die Vorteile: Die Hersteller können sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, wichtige Ressourcen anderweitig nutzen und auf lange Sicht ihr Business skalieren.

Logistikdienstleister erbringt branchenspezifische Services

Um diese Benefits voll ausschöpfen zu können, sollten Robotikhersteller auf einen Logistikdienstleister setzen, der über einschlägiges Branchenwissen im Bereich Hightech-Logistik verfügt. So gewährleistet man präzise Planungsprozesse von der Lagerung bis zum finalen Verwendungsort in Krankenhäusern und chirurgischen Praxen. Ein extensives Netzwerk für technische Transport- und Installationsleistungen stellt sicher, dass geschultes Personal in diversen Zielländern administrative Unterstützung bei der Auftragssteuerung und Prozessimplementierung leistet. Im Rahmen der Auslieferung und Inbetriebnahme legen geschulte Mitarbeiter vor Ort Hand an und kümmern sich um die betriebsbereite Übergabe. Stichwort „Schulung“: Nach einem initialen Workshop erstellt der Logistikdienstleister Videos und Leitfaden für potenzielle neue Kollegen, sodass für den Hersteller im weiteren Verlauf des Projekts kein Trainingsaufwand in puncto Handhabung, Lieferung und Aufbau mehr anfällt.

Ablauf: So funktioniert der End-to-End-Prozess

OP-Roboter bestehen aus einer Hauptkonsole und etwa acht Roboterarmen, die jeweils eine andere Aufgabe übernehmen. Diese einzelnen Elemente werden in Flightcases gepackt. Zusätzlich gibt es Zubehörboxen mit allen benötigten Hilfsmitteln, Kabeln und verschiedenen Verbrauchsmaterialien. So muss zum Beispiel jeder Arm aus hygienischen Gründen und zur Vermeidung von Kontaminationen mit einem Kunststofftuch abgedeckt werden. Die einzelnen Flightcases und Konsolen gilt es nach erfolgtem Transport via Luft- oder Seefracht miteinander zu verbinden. Der Logistikdienstleister entlädt die gesamte Ausrüstung, transportiert sie mit Lkws zum Kunden und bringt das schwere Equipment außerhalb der Arbeitszeiten im 2-Mann-Handling am finalen Verwendungsort ein.

Zusätzlicher Benefit: Demomanagement unterstützt Vertrieb

Im Rahmen des Direktvertriebs übernimmt der Logistikdienstleister auch das sogenannte Demomanagement: Der Hersteller leiht potenziellen Käufern die Geräte zu Vorführzwecken aus. Für den Austausch von Auftragsinformationen wird der Logistikdienstleister für die Arbeit mit dem Kundenbuchungstool geschult. So muss das Vertriebsteam nur noch die Ladeaufträge anfordern und der Logistiker erhält nach Auftragsgenehmigung eine Benachrichtigung. Das Team bereitet die Ware für den Versand vor, liefert sie an den Kunden und holt sie nach Ablauf des vereinbarten Vorführzeitraums wieder vor Ort ab. Bei der erneuten Einlagerung wird überprüft, ob die Patientendaten entfernt, die Geräte dekontaminiert und eventuelle Schäden identifiziert sind.

Die robotergestützte Chirurgie ermöglicht es Ärzten, komplexe Eingriffe mit größerer Präzision durchzuführen. Sie wird in der Regel mit der minimalinvasiven Chirurgie assoziiert und manchmal bei bestimmten traditionellen offenen Eingriffen eingesetzt. Da die Nachfrage nach diesen Technologien immer größer wird, ist das Outsourcing an Logistikunternehmen entscheidend, um das Wachstum mitzugehen. Denn es gilt, die Roboter nicht einfach irgendwie von A nach B zu bringen, sondern auf sichere und gut geplante Weise.
Alec Woodger | General Manager Healthcare Division, Rhenus UK

Prognose: Business skalieren dank Logistik-Outsourcing

Für die Aufrechterhaltung der Wettbewerbsfähigkeit ist das Outsourcing der Logistik für Hersteller ein ganz entscheidender Punkt. Insbesondere mit Blick auf das Ziel, dem Tempo der technologischen Weiterentwicklung in der Medizintechnikbranche nicht nur Stand zu halten, sondern das Geschäft aktiv und zukunftsweisend mitzugestalten. „Perspektivisch ist auch ein Lebenszyklusmanagement denkbar, also Services wie Demontage, Rücknahme und Recycling“, so die Prognose von Alec Woodger. „Generell bietet der Markt sehr viel Potenzial für Logistikdienstleister. Auch die Überführung der Roboter zwischen Krankenhäusern ist denkbar, gerade wenn Patienten nicht transportfähig sind. So können wir nicht nur die Hersteller unterstützen, sondern auch die gesamte Supply Chain rund um robotergestützte Chirurgiesysteme effizienter gestalten.“

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Rhenus High Tech unterstützt CMR Surgical logistisch

CMR Surgical ist ein weltweit tätiges Medizintechnikunternehmen mit Sitz in Cambridge, England. Der Hersteller hat das Hightech-Operationssystem Versius für den Einsatz bei laparoskopischen Eingriffen entwickelt. Es soll die Chirurgen körperlich entlasten, Stress und Ermüdung reduzieren. CMR hat sich im Jahr 2021 für das Outsourcing seiner Logistik entschieden: Rhenus High Tech, Anbieter von Logistikdienstleistungen im Vereinigten Königreich, übernimmt die Lagerung und Einbringung der Robotiklösungen im Pick-and-Pack-Verfahren. Grundlage dafür ist das extensive Netzwerk aus dem Hauptlager in Ashford (Middlesex) und weiteren Lagern in Frankreich, Deutschland, Italien, Luxemburg, Spanien und Belgien.

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Rhenus High Tech ist Anbieter von Logistikdienstleistungen im Vereinigten Königreich. Das erfahrene Vertriebsteam ist dank einer modernen Ausrüstung und bewährten Liefermethoden für alle branchenspezifischen Logistikanforderungen gerüstet. Bisherige Projekte umfassen unterschiedliche Bereichen wie Gesundheitswesen, Telekommunikation, Elektronik, Einzelhandel, Hightech-Güter und vieles mehr.

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Logistiklösungen für medizintechnische Geräte erfordern Know-how. Für Lagerung, Transport, Positionierung und Montage am Einsatzort ist daher ein professionelles Handling wichtig.

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